Tunxi

14 02 2010

Der Name Tunxi, unsere nächste Destination, ruft in mir Freude, Stolz, aber auch das Gefühl grenzenloser Anstrengung und endgültiger Erschöpfung hervor. Neben der netten Innenstadt und dem großen Restaurant gegenüber von unserem Hotel, das sich (wahrscheinlich der Touristen wegen) des Prinzips des zuerst Anschauens und dann Bestellens bediente,  wodurch man zumindest eine gewissen Ahnung hatte, was man wenig später vor die Nase gesetzt bekommt, hat Tunxi vor allem das nahe gelegene Gelbe Gebirge zu bieten. Zu diesem ließen wir uns frühmorgens am Tag nach unserer Ankunft bringen. Voller Enthusiasmus stiegen wir aus der Gondel aus, die uns hinaufbrachte und wurden schon nach wenigen Stufen (in China findet man kaum Naturwege, überall, wo es nur geht, werden Stufen eingebaut, was vielleicht auch daran liegt, dass Chinesinnen nicht mit festen Schuhwerk unterwegs sind, sondern es sich nicht nehmen lassen, mit ihren Designerschühchen durch die Berge zu stöckeln) belohnt mit einer atemberaubenden Aussicht. Vor uns lag das Gelbe Gebirge, das Bild wurde von keinem noch so kleinen Wölkchen getrübt, höchstens von den vielen Chinesen, die sich am Lookout herumdrängelten und ums beste Bild kämpften, und von anderen Touristen, die sich wahrscheinlich mit uns wunderten, wie viel Essen Chinesen in die Berge mitnehmen können (wohlgemerkt, nicht in Rucksäcken, sondern in Plastiktüten). Stufab, stufauf ging es weiter, immer wieder wurden wir von wunderschönen Ausblicken und Anblicken überrascht und genossen dieses Naturwunder. Doch nach einigen Stunden und ein paar Kilometern konnte die Pracht des Gebirges nicht mehr die Anstrengung, der wir ausgeliefert waren, und die Erschöpfung, die schön langsam in uns hochkroch, aufwiegen. Wir waren, was unsere Kräfte betraf, so gut wie am Ende, leider aber nicht, was den Weg selbst betraf. Wir irrten in dem Stufengewirr herum, panisch auf der Suche nach der Gondel, die uns wieder hinunterbringen sollte, denn die letzte ging um vier, und uns blieb nicht mehr allzu viel Zeit. Nach fünfzehn Kilometern und einem gefühlten Schuljahr erreichten wir noch rechtzeitig die letzte Gondel. Unsere Freude war grenzenlos, als wir in diese einstiegen, unsere Enttäuschung auch, als wir erkennen mussten, dass sie uns keineswegs bis ganz nach unten bringt, sondern dass wir den letzten Rest selbst noch meistern mussten. So kam noch ein Kilometer dazu und eine Sorgenfalte noch obendrauf, als man uns mitteilte, dass wir den letzten Bus um zehn Minuten verpasst hätten. Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, um in unser Hotel zurückzukehren, bot uns ein schmieriger Taxifahrer, der seine Position als Monopol beim Preis aushandeln gehörig ausnützte. Doch es half alles schimpfen und wüten nichts, wohl oder übel mussten wir ihm nachgeben, denn sonst wären wir nie in unser Hotel zurückgekommen.

Den nächsten Tag verbrachten wir in einem netten Touristenörtchen, wo wir chinesische Kunststudenten dabei beobachteten, wie sie die verschiedensten Winkel des Orts auf ihre Malblocks zauberten. Den anderen Teil des Tages nutzten wir, um unserer baldigen Gastfamilie in Australien ein paar Gastgeschenke zu besorgen. Neben Spiegeln schenkten wir ihnen auch Tee, den wir im Zuge einer längeren Teeverkostung für sie auswählten. Und so konnten wir nach diesem erfolgreichen zweiten Tag in Tunxi zufrieden ins Bett fallen, voller Vorfreude auf unsere nächste Stadt: Shanghai!





Beijing

24 12 2009

Unser Aufenthalt in Beijing fing schon mal gut an. Im Hostel, in dem auch Andrea untergekommen war, trafen wir einen Israeli, der auf dem Weg nach Neuseeland war und deshalb seinen Lonely Planet los werden wollte. Da zoegerten wir natuerlich nicht lang und erstanden ihn fuer zehn Euro. Somit setzten wir dem um sechs Uhr in der Frueh in einer neuen Stadt Herumwandern auf der Suche nach nicht mehr existierenden oder uebersiedelten Hotels ein Ende. Allerdings war es nun auch Schluss mit der Aufstockung unseres Zahnbuerstenbestandes, denn Lonel Plane gab uns endlich die Moeglichkeit Backpackergemaess in Hostels in Schlafsaealen zu schlafen. Eine Freude sicher auch fuer unsere Schlafsackinletts, die endlich wieder im Einsatz waren.

Noch am Abend unserer Ankunft konnten wir uns von der Gelenkigkeit des chinesischen Volkes ueberzeugen bei einer Akrobatikshow. Nach einenthalb Stunden voller Erstaunen, Etsetzen und Erleichterung ueber die Tricks der Akrobaten, waren wir so durcheinander, dass wir beinahe unseren Lonely Planet im Veranstaltungssaal vergessen haetten. Doch wir konnten ihn noch retten und er stand uns fuer die restlichen zwei Wochen in China mit Rat und Tat zur Seite.

Der naechste Tag (30.10.09) war Veras Geburtstag. Eine Tour zur Grossen Mauer sollte ihn zu einem unvergesslichen Erlebniss machen. Das wurde es auch, allerdings etwas anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Nach dem zweiten Souvenirshop, den wir auf dem Weg dorthin besuchten, war unsere Euphorie ueber die Tour schon einigermasen gedaempft, nach dem dritten konnten wir nur noch Lachen ueber die Absurditaet dieses Ausflugs und nach dem vierten wollten wir nur noch zurueck ins Hostel. Insgesamt verbrachten wir einenthalb Stunden bei der Grossen Mauer und sieben Stunden in fuenf verschiedenen Souvenirshops, die uns ueber Vasen, Jade, Seide und Perlen informierten und in denen uns natuerlich dringenst zum Kauf dieser Produkte geraten wurde. Wir waren also uebergluecklich, als wir bei unserem Hostel wieder abgesetzt wurden und unser Ziel war es einfach nur noch, fuer Vera eine zuckersuesse, chinesische Torte zu erstehen, davon hielt uns auch kein zwanzigminuetiger Marsch im Regen ab. Und so verbrachtn wir noch einen netten Abend im Hostel bei suesser Torte und vom Hostel spendierten Bier.

Unseren dritten Tag in Beijing verbrachten wir hauptsaechlich in der „Verbotenen Stadt“ und passend dazu schauten wir uns am Abend den Film „Der letzte Kaiser“ an.

Am vierten Tag verabschiedeten wir uns von Andrea und den uebrigen Hostelleuten und verliessen Beijing gerade noch rechtzeitig, bevor es im Schnee versank.





Datong

24 12 2009

In Datong machten wir erstmals in China Bekanntschaft mit einem anderen Backpacker. Andrea war sein Name, ein Italienisch sprechender Schweizer, der auf unbestimmte Zeit in der Welt herumreist. Gemeinsam mit ihm besichtigten wir das Haengende Kloster, ein Kloster, das ausschaut, als ob es auf einer Felswand haengen wuerde, und die aelteste hoelzerne Pagode.

Vera genoss es sehr, wieder einmal mit einem Fleischesser unterwegs zu sein und sie liessen es beim Abendessen richtig krachen. Von dem Sweet-Sour-Pork, das sie damals serviert bekommen haben, schwaermt Vera noch zwei Monate danach.

Andreas Route fuehrte ihn auch als naechstes nach Beijing, wo wir uns wieder treffen wollten. Waehrend er mit dem Bus fuhr, der frueher in Beijing ankam, als wir ueberhaupt Daong verliessen, mussten wir noch ein paar Stunden verdruecken bis zur Abfahrt unseres Zuges. Einen Teil unserer Wartezeit verbrachten wir bei KFC, wo wir von ein paar Kanadiern aelteren Semesters sehr dafuer bewundert wurden, dass wir rund um die Welt reisen. Den anderen Teil verbrachten wir im Kino. Es war Premierentag von „This is it“, dem Michael JacksonFilm. Wir haetten es uns nie traeumen lassen, noch Karten fuer dieses Spektakel zu erwischen, doch im Endeffekt waren wir dann nur zehn oder zwanzig Leute im Kino, die sahen, was dieser Mann fuer eine gigantische Show auf die Beine stellen wollte.

Beschwingt von unserem Glueck und vollgefuellt mit Ohrwuermern liessen wir uns um elf Uhr nachts auf die Hardseater im Zug Richtung Beijing fallen.





Xi’an

24 12 2009

Hier wurde das Thema einer unserer English Listenings live besichtigt: die Terracotta Armz. Wir waren stark beeindruckt von den lebensgrossen Figuren, von denen jede einzelne einem Soldat des Kaisers entspricht.

Xi’an wird uns im Allgemeinen immer positiv in Erinnerung bleiben. Wir bewohnten zwar hier ein Zimmer ohne Fenster, dafuer setzten wir unserem Honig endlich ein Ende und tauschten ihn gegen Erdnussbutter, die sogar mit Schokolade versehen war. Ein Traum!! In jenem Supermarkt, in dem wir dieses Himmelsgeschenk ergatterten, gab es sogar eine kleine Kaeseabteilung bei den Kuehlsachen, ca. einen halben Meter breit, einen Meter hoch und ausschliesslich ausgestattet mit Toastkaese.





Chengdu

24 12 2009

In Changdu nutzten wir die Fruechte der Globalisierung und verschwendeten extremst viel Geld in KFC, Starbucks und Co. Nebenbei besuchten wir auch noch den groessten sitzenden Buddha, Vera fand heraus, wie man eine Uhr stellt und als wir eines Abends im Subway sassen, erklangen ploetzlich die Toene von Annett Louisans „Das Spiel“. Ein deutsches Lied, und das in China!!





Wassermassen, Chinesen und Bonsai-Baeume

24 12 2009

In Guiyang spuerten wir erstmals, dass sich, je weiter noerdlich man kommt, nicht nur das Klima veraendert (es war schon etwas kaelter als in Yangshuo, wo wir noch in T-Shirts herumgelaufen sind), sondern auch die Mentalitaet. Wurden wir in Ziyuan, zum Beispiel, zwar sehr erstaunt, aber auch ueberaus freundlich empfangen, wurden wir in Guiyang von oben bis unten mit unbewegten Mienen gemustert. Die Hilfsbereitschaft der Leute liess auch zu Wuenschen uebrig, ein Laecheln kam ihnen soweiso kaum ueber die Lippen. Wir nahmen es mal zur Kenntnis und den Bus zum Busbahnhof, denn unser, wie schon gesagt, schon etwas aelterer Reisefuehrer teilte uns mit, dass es einen direkten Bus von Guiang zum groessten Wasserfall Chinas gaebe. Tja, dem war nicht so. Also mussten wir nach ANshun fahren und von dort dann weiter zum „Wasserfall“. Der Beschreibung nach in unserem Reisfuehrer sah unsere Vorstelung etwa so aus: Man gehe vielleicht ein paar Minuten durch waldaehnliches Gestruepp, komme dann bei einem wunderschoenen Wasserfall heraus, der sich in einen ruhigen tuerkisen Fluss ergiesst und am Flussufer checke man dann in einen der dort ansaessigen Bungalows ein. Dass diese Vorstellung natuerlich allzu utopisch war, was uns bewusst, aber dass die ganze Groessenordnung nicht zutreffen wuerde, war dann doch eine kleine Ueberraschung fuer uns. Vom Bus wurden wir wieder mal quasi im Virgendwo ausgesetzt, wei und brit kein Wasserfall, nur ein grosses Gebaeude und jede Menge Touristenbusse. Wir brauchten eine Zeit lang, um uns zu orientieren und etwas Licht in die ganze Angelegenheit zu bringen. Wir fanden heraus, dass das grosse Gebaeude die Ticketofficewar und dass der Wasserfall nicht zu Fuss erreichbar war. Um in den Genuss von dessen Anblick zu kommen, musste man sich entweder ein Busticket fuer fuenf Euro pro Person zulegen oder ein Taxi fuer insgesamt zehn Euro nehmen. Da fiel uns die Entscheidung natuerlich nicht schwer. So wurden wir von unserem persoenlichen Taxifahrer zu den verschiedensten Spots in dieser Anlage gebracht. Unser erster Halt war bei einem kleinen Wasserfall, zuasi zur Einstimmung auf das, was noch auf uns zukommen wuerde.

Unser naechster Stopp war dann auch schon beim eigentlichen Ziel unser Fahrt: dem Wasserfall. Hier fiel uns zum ersten Mal der chinesische Spleen auf, nie die Sehenswuerdigkeiten fuer sich alleine wirken zu lassen, sondern sie immer mit riesigen Garten- und Parkanlangen zu umgeben, in denen man noch zehn andere Sachenentdecken, bewundern oder einfach ignorieren kann. In diesem Fall gab es einen Bonsai-Garten mit noch etwas sehr grossen Exemplaren von den Anfaengen der Bonsai-Zuechtung bis zu den perfekten Mini-Baeumen, die man in so manchen europaeischen Wohnzimmern finden kann. Darueber hinaus konnte man in einem Lotusteich exrem wohlgenaehrte, um nicht zu sagen fette Goldfische beim Glupschen beobachten. Wahrscheinlich haette es noch so einiges Sehenswertes gegeben, aaber das Wandern bis zum Wasserfall beanspruchte einfach zu viel Zeit, um ch andere Sachen zu besichtigen.

Der weite Weg bis zum Wasserfall inmitten von Massen chinesischer Touristen lohnte sich allemal. Von den alle paar Metern vorhandenen Aussichtspunkten konnte man wunderschoenen Wasserfall beobachten. Allerdings waren die Aussichtspunkte weniger dafuer da, das beeindruckende Wasserspektakel zu beobachten, als massig Beweisfotos von sich und dem glitzernden Wasservorhang zu haben. Oder von sich, dem Wasserfall und zwei westlichen Touristinnen. Wir wurden natuerlich oftmals fotografiert. Wir haben leider nie begonnen mitzuzaehlen, wieoft wir auf fremden Digitalkameras festgehalten wurden, es war aber auf jeden Fall sehr, sehr oft.

Von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt wurden wir schliesslich von den Massen bis hinter den Wasserfall getragen, von wo man den Vorhang auch noch aus einer anderen Perspektive bestaunen konnte. „impressed“ vom Wasserfall waren wir dann aber auch schon ganz schoen erschoepft, als wir nach zweienhalb Stunden aus der Anlage wieder heraus in sFreie gelangten. Der Sightseeingtag war aber noch nicht zu Ende und wir wurden von unserem privaten Fahrer gleich weiter zum letzten Spot gefahren, ein Steinpark. Wiederum eine wunderschoene Anlage mit einem tuerkisem, allerdings etwas sehr verschmutzten Fluss und tollen Steinformationen. Trotz des schoenen Anblicks konnten wir es kaum mehr erwarten, endlich zum Ausgang zu gelangen, immerhin hatten wir die vorangegangene Nach im Zug verbracht und waren seit vier Uhr morgens auf den Beinen. Einmal folgte uns eine Frau und versuchte uns irgendetwas auf Chinesisch verstaendlich zu machen, ohne Erfolg. Aus irgendeinem Grund wollte sie zehn Yuan fuer etwas haben und uns nicht weitergehen lassen. Wir siellen uns aber nicht aufhalten, waren wir doch schon geschafft vom langen Gehen und wollten einfach nur mehr den Walk zu Ende bringen. Sie folgte uns noch eine Zeit lang, schrie uns Sachen zu und blieb schliesslich ein bisschen verzweifelt zurueck. Wir waren sehr forh, sie endlich abgehaengt zu haben und noch froher, als wir endlich den Ausgang erreicht hatten.





Drug-David and „The Boss“

24 12 2009

Als wir in Yangshuo schon etwas erschoepft aus den Bus krochen, wurden wir sofort von einer Schlepperin in Empfang genommen. Sie bot uns ein Zimmer um acht Euro an, was uns eigentlich zu teuer war. Trotzdem trabten wir brav hinter ihr her, waehrend sie uns erklaerte, dass wir uns keine Sorgen wegen des Preises machen zu brauchten, denn „I am the Boss!“ So liessen wir uns von „The Boss“ das Zimmer zeigen und auch noch zwei Betten im Schlafsaal im Hotel ihres Bruders, lehnten vorerst einmal ab und machten uns auf die Suche nach Billigerem. Wir fanden natuerlich nichts und mussten reumuetig zu ihr zurueckkehren, um ihr Angebot doch anzunehmen. So war unsere Sammlung an Billig-Hotel-Zahnbuersten wieder um zwei Exemplare reicher. Allerdings sind wir uns ueber die sonstige Nutzung des Zimmers etwas ungewiss. Neben gedaemmten Licht hatte man auf dem Nachtkaestchen nicht nur Kondome griffbereit zu Verfuegung gestellt, sondern auch fuer jeweils ein GEschlecht spezialisiertes Verwoehnungsoel. Und in einem kleinen Koerbchen war auch noch Unterwaesche bereit gestellt, die man gegen ein paar Yuan erwerben konnte.

Der Vormittag des naechsten Tages war gepraegt von zwei Erkenntnissen.

Erkenntnis Nr. 1: Die Chinesen waren anscheinend nicht wirklich einverstanden mit unserer Blogfuehrung, denn sie hatten ihn gesperrt. Zumindest konnte ich mich nicht einloggen, ohne unseren Geheimtipp zu verwenden. So schrieb ich und schrieb ich, wollte speichern, musste aber erkennen, dass das Internet nicht ganz meiner Meinung war, denn ploetzlich war alles weg. Und ich konnte mir auch nicht wirklich helfen, denn (Erkenntnis Nr. 2:) ein chinesisches Betriebssystem und eine computertechnische Null zu sein, ist keine besonders gute Mischung. Nicht recht viel besser erging es Vera in der Zwischenzeit, die einmal falsch klinckte und danach auf  dem Bildschirm vergebens nach den bearbeiteten Fotos suchte. Dementsprechend frustriert packten wir unsere sieben Zwetschgen zusammen, um in ein Zimmer in dem Hotel des Bosses Bruder zu ziehen, drei Euro billiger(das mag jetzt natuerlich kleinlich klingen, doch in China kann  man sich um dieses Geld fast drei Tage ernaehren, wenn man nicht allzu grossen Hunger hat). In der Lobby stackste uns auch schon wenig spaeter David entgegen, der scheinbare, aber dann doch nicht Bruder des Boss (die Familienverhaeltnisse in Yangshuo haben wir nicht wirklich durchschaut). Nur seine umgehaengte Tasche schien ihn davon abzuhalten, wie ein Gummiball wild in der Gegend herumzuhuepfen. Seine Hyperaktivitaet und Ueberdrehtheit liess nur einen Schluss zu: Dieser Mann nahm Drogen (auch wenn ich es nie beweisen werden kann- sein Benehmen war mir persoenlich Beweis genug). Neben dem Zimmer bot er uns auch nocht eine Tour an inklusive Fruehstueck und sofortigem Start, die zwar unser Budget komplett sprengte, dafuer unser Tagesprogramm komplett auffuellte und uns eine Menge an Organisation und komplizierter Herumfahrerei ersparte. Nach einem chinesischem Fruehstueck (Nudelsuppe mit Erdnuessen, pickled Gemuese und Fisolen) ging es mit dem Rad rauss aus der Stadt ab aufs Land. Vera und ich waren uns einig, dass Radfahren in China soviel leichter ginge als in Oesterreich. Unsere Meinung aenderte sich aber sofort, als wir die asphaltierte Strasse verliessen und gegen einen unebenen Waldweg eintauschten, auf dem wir ordentlich durchgeruettelt wurden. Trotzdem genossen wir die sportliche Betaetigung sehr und nahmen uns natuerlich vor, auch daheim wieder oefter in die Pedale zu treten.

Unser erster Stopp war am Li-River, den wir auf einem Bamboo-Boat erkundeten. Bamboo-Rafting hiess der Spass, denn es ging immer ueber Mini-Wasserfaelle hinab, wobei das Bamboo-Boat mit seinem Vorderteil mit einem grossen Platsch zurueck ins Wasser fiel und uns vollspritzte. Auf dem Fluss kamen wir immer wieder bei Inseln aus Bamboo vorbei, auf denen Getraenke und Essen verkauft wurden. Uns wurde jedes Mal Bier angeboten. Lehnten wir ab, appelierten sie an unser Mitleid dem Fahrer gegenueber. Wir sollten doch dem armen Ruderer unseres Bootes was zum Trinken spendieren. Doch Alkohol dem Ruderer unseres eigenen Bootes zu spendieren, kam uns dann ein bisschen verantwortungslos vor. Wir boten ihm aber an, aus unserer Wasserflasche zu trinken, ganz eingerostet ist unsere soziale Ader ja doch nicht. Da er aber ablehnte, schlossen wir daraus, dass er nicht durstig war. Er war im Uebrigen ein sehr lustiger Zeitgenosse und obwohl wir uns nicht mit ihm unterhalten konnten, weil er natuerlich kein englisches Wort sprach, hatten wir viel Spass. Er und Vera lieferten sich ein Battle im Tiere imitieren. Bei der Imitation einer Ente hatte er eindeutig die Nase vorn, aber Veras Kuh klang eindeutig mehr nach Kuh als seine.

Nach dem Bamboo Rafting fuhren wir weiter mit dem Rad zu einer Wasserhoehle. Die Fuehrung bestand im Wesentlichen darin, dass der freundliche Cinese mit seiner Lampe auf versschiedenste Steinformationen leuchtete und uns erklaerte, welchem irdischen Ding sie gleichschauten. Wir kamen unter anderem bei einer Katze, einer Schildkroete, einer Frau, die sich die Haare waescht und einem alten Mann, der angelt, vorbei. Nach der Fuehrung durften wir noch im Schlamm baden und uns in heissen Quellen wieder saeubern.

Am naechsten Tag brachten wir den zweiten Teil der Tour noch ueber uns. Es war noch eine Flussfahrt, die aber nicht an das Bamboo-Rafting herankam. Deswegen waren wir dann froh, wie sie vorbei war, vor allem deswegen, weil wir einen Zug nach Guiyang zu erwischen hatten.