Tunxi

14 02 2010

Der Name Tunxi, unsere nächste Destination, ruft in mir Freude, Stolz, aber auch das Gefühl grenzenloser Anstrengung und endgültiger Erschöpfung hervor. Neben der netten Innenstadt und dem großen Restaurant gegenüber von unserem Hotel, das sich (wahrscheinlich der Touristen wegen) des Prinzips des zuerst Anschauens und dann Bestellens bediente,  wodurch man zumindest eine gewissen Ahnung hatte, was man wenig später vor die Nase gesetzt bekommt, hat Tunxi vor allem das nahe gelegene Gelbe Gebirge zu bieten. Zu diesem ließen wir uns frühmorgens am Tag nach unserer Ankunft bringen. Voller Enthusiasmus stiegen wir aus der Gondel aus, die uns hinaufbrachte und wurden schon nach wenigen Stufen (in China findet man kaum Naturwege, überall, wo es nur geht, werden Stufen eingebaut, was vielleicht auch daran liegt, dass Chinesinnen nicht mit festen Schuhwerk unterwegs sind, sondern es sich nicht nehmen lassen, mit ihren Designerschühchen durch die Berge zu stöckeln) belohnt mit einer atemberaubenden Aussicht. Vor uns lag das Gelbe Gebirge, das Bild wurde von keinem noch so kleinen Wölkchen getrübt, höchstens von den vielen Chinesen, die sich am Lookout herumdrängelten und ums beste Bild kämpften, und von anderen Touristen, die sich wahrscheinlich mit uns wunderten, wie viel Essen Chinesen in die Berge mitnehmen können (wohlgemerkt, nicht in Rucksäcken, sondern in Plastiktüten). Stufab, stufauf ging es weiter, immer wieder wurden wir von wunderschönen Ausblicken und Anblicken überrascht und genossen dieses Naturwunder. Doch nach einigen Stunden und ein paar Kilometern konnte die Pracht des Gebirges nicht mehr die Anstrengung, der wir ausgeliefert waren, und die Erschöpfung, die schön langsam in uns hochkroch, aufwiegen. Wir waren, was unsere Kräfte betraf, so gut wie am Ende, leider aber nicht, was den Weg selbst betraf. Wir irrten in dem Stufengewirr herum, panisch auf der Suche nach der Gondel, die uns wieder hinunterbringen sollte, denn die letzte ging um vier, und uns blieb nicht mehr allzu viel Zeit. Nach fünfzehn Kilometern und einem gefühlten Schuljahr erreichten wir noch rechtzeitig die letzte Gondel. Unsere Freude war grenzenlos, als wir in diese einstiegen, unsere Enttäuschung auch, als wir erkennen mussten, dass sie uns keineswegs bis ganz nach unten bringt, sondern dass wir den letzten Rest selbst noch meistern mussten. So kam noch ein Kilometer dazu und eine Sorgenfalte noch obendrauf, als man uns mitteilte, dass wir den letzten Bus um zehn Minuten verpasst hätten. Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, um in unser Hotel zurückzukehren, bot uns ein schmieriger Taxifahrer, der seine Position als Monopol beim Preis aushandeln gehörig ausnützte. Doch es half alles schimpfen und wüten nichts, wohl oder übel mussten wir ihm nachgeben, denn sonst wären wir nie in unser Hotel zurückgekommen.

Den nächsten Tag verbrachten wir in einem netten Touristenörtchen, wo wir chinesische Kunststudenten dabei beobachteten, wie sie die verschiedensten Winkel des Orts auf ihre Malblocks zauberten. Den anderen Teil des Tages nutzten wir, um unserer baldigen Gastfamilie in Australien ein paar Gastgeschenke zu besorgen. Neben Spiegeln schenkten wir ihnen auch Tee, den wir im Zuge einer längeren Teeverkostung für sie auswählten. Und so konnten wir nach diesem erfolgreichen zweiten Tag in Tunxi zufrieden ins Bett fallen, voller Vorfreude auf unsere nächste Stadt: Shanghai!





Beijing

24 12 2009

Unser Aufenthalt in Beijing fing schon mal gut an. Im Hostel, in dem auch Andrea untergekommen war, trafen wir einen Israeli, der auf dem Weg nach Neuseeland war und deshalb seinen Lonely Planet los werden wollte. Da zoegerten wir natuerlich nicht lang und erstanden ihn fuer zehn Euro. Somit setzten wir dem um sechs Uhr in der Frueh in einer neuen Stadt Herumwandern auf der Suche nach nicht mehr existierenden oder uebersiedelten Hotels ein Ende. Allerdings war es nun auch Schluss mit der Aufstockung unseres Zahnbuerstenbestandes, denn Lonel Plane gab uns endlich die Moeglichkeit Backpackergemaess in Hostels in Schlafsaealen zu schlafen. Eine Freude sicher auch fuer unsere Schlafsackinletts, die endlich wieder im Einsatz waren.

Noch am Abend unserer Ankunft konnten wir uns von der Gelenkigkeit des chinesischen Volkes ueberzeugen bei einer Akrobatikshow. Nach einenthalb Stunden voller Erstaunen, Etsetzen und Erleichterung ueber die Tricks der Akrobaten, waren wir so durcheinander, dass wir beinahe unseren Lonely Planet im Veranstaltungssaal vergessen haetten. Doch wir konnten ihn noch retten und er stand uns fuer die restlichen zwei Wochen in China mit Rat und Tat zur Seite.

Der naechste Tag (30.10.09) war Veras Geburtstag. Eine Tour zur Grossen Mauer sollte ihn zu einem unvergesslichen Erlebniss machen. Das wurde es auch, allerdings etwas anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Nach dem zweiten Souvenirshop, den wir auf dem Weg dorthin besuchten, war unsere Euphorie ueber die Tour schon einigermasen gedaempft, nach dem dritten konnten wir nur noch Lachen ueber die Absurditaet dieses Ausflugs und nach dem vierten wollten wir nur noch zurueck ins Hostel. Insgesamt verbrachten wir einenthalb Stunden bei der Grossen Mauer und sieben Stunden in fuenf verschiedenen Souvenirshops, die uns ueber Vasen, Jade, Seide und Perlen informierten und in denen uns natuerlich dringenst zum Kauf dieser Produkte geraten wurde. Wir waren also uebergluecklich, als wir bei unserem Hostel wieder abgesetzt wurden und unser Ziel war es einfach nur noch, fuer Vera eine zuckersuesse, chinesische Torte zu erstehen, davon hielt uns auch kein zwanzigminuetiger Marsch im Regen ab. Und so verbrachtn wir noch einen netten Abend im Hostel bei suesser Torte und vom Hostel spendierten Bier.

Unseren dritten Tag in Beijing verbrachten wir hauptsaechlich in der „Verbotenen Stadt“ und passend dazu schauten wir uns am Abend den Film „Der letzte Kaiser“ an.

Am vierten Tag verabschiedeten wir uns von Andrea und den uebrigen Hostelleuten und verliessen Beijing gerade noch rechtzeitig, bevor es im Schnee versank.





Datong

24 12 2009

In Datong machten wir erstmals in China Bekanntschaft mit einem anderen Backpacker. Andrea war sein Name, ein Italienisch sprechender Schweizer, der auf unbestimmte Zeit in der Welt herumreist. Gemeinsam mit ihm besichtigten wir das Haengende Kloster, ein Kloster, das ausschaut, als ob es auf einer Felswand haengen wuerde, und die aelteste hoelzerne Pagode.

Vera genoss es sehr, wieder einmal mit einem Fleischesser unterwegs zu sein und sie liessen es beim Abendessen richtig krachen. Von dem Sweet-Sour-Pork, das sie damals serviert bekommen haben, schwaermt Vera noch zwei Monate danach.

Andreas Route fuehrte ihn auch als naechstes nach Beijing, wo wir uns wieder treffen wollten. Waehrend er mit dem Bus fuhr, der frueher in Beijing ankam, als wir ueberhaupt Daong verliessen, mussten wir noch ein paar Stunden verdruecken bis zur Abfahrt unseres Zuges. Einen Teil unserer Wartezeit verbrachten wir bei KFC, wo wir von ein paar Kanadiern aelteren Semesters sehr dafuer bewundert wurden, dass wir rund um die Welt reisen. Den anderen Teil verbrachten wir im Kino. Es war Premierentag von „This is it“, dem Michael JacksonFilm. Wir haetten es uns nie traeumen lassen, noch Karten fuer dieses Spektakel zu erwischen, doch im Endeffekt waren wir dann nur zehn oder zwanzig Leute im Kino, die sahen, was dieser Mann fuer eine gigantische Show auf die Beine stellen wollte.

Beschwingt von unserem Glueck und vollgefuellt mit Ohrwuermern liessen wir uns um elf Uhr nachts auf die Hardseater im Zug Richtung Beijing fallen.





Xi’an

24 12 2009

Hier wurde das Thema einer unserer English Listenings live besichtigt: die Terracotta Armz. Wir waren stark beeindruckt von den lebensgrossen Figuren, von denen jede einzelne einem Soldat des Kaisers entspricht.

Xi’an wird uns im Allgemeinen immer positiv in Erinnerung bleiben. Wir bewohnten zwar hier ein Zimmer ohne Fenster, dafuer setzten wir unserem Honig endlich ein Ende und tauschten ihn gegen Erdnussbutter, die sogar mit Schokolade versehen war. Ein Traum!! In jenem Supermarkt, in dem wir dieses Himmelsgeschenk ergatterten, gab es sogar eine kleine Kaeseabteilung bei den Kuehlsachen, ca. einen halben Meter breit, einen Meter hoch und ausschliesslich ausgestattet mit Toastkaese.





Chengdu

24 12 2009

In Changdu nutzten wir die Fruechte der Globalisierung und verschwendeten extremst viel Geld in KFC, Starbucks und Co. Nebenbei besuchten wir auch noch den groessten sitzenden Buddha, Vera fand heraus, wie man eine Uhr stellt und als wir eines Abends im Subway sassen, erklangen ploetzlich die Toene von Annett Louisans „Das Spiel“. Ein deutsches Lied, und das in China!!





Wassermassen, Chinesen und Bonsai-Baeume

24 12 2009

In Guiyang spuerten wir erstmals, dass sich, je weiter noerdlich man kommt, nicht nur das Klima veraendert (es war schon etwas kaelter als in Yangshuo, wo wir noch in T-Shirts herumgelaufen sind), sondern auch die Mentalitaet. Wurden wir in Ziyuan, zum Beispiel, zwar sehr erstaunt, aber auch ueberaus freundlich empfangen, wurden wir in Guiyang von oben bis unten mit unbewegten Mienen gemustert. Die Hilfsbereitschaft der Leute liess auch zu Wuenschen uebrig, ein Laecheln kam ihnen soweiso kaum ueber die Lippen. Wir nahmen es mal zur Kenntnis und den Bus zum Busbahnhof, denn unser, wie schon gesagt, schon etwas aelterer Reisefuehrer teilte uns mit, dass es einen direkten Bus von Guiang zum groessten Wasserfall Chinas gaebe. Tja, dem war nicht so. Also mussten wir nach ANshun fahren und von dort dann weiter zum „Wasserfall“. Der Beschreibung nach in unserem Reisfuehrer sah unsere Vorstelung etwa so aus: Man gehe vielleicht ein paar Minuten durch waldaehnliches Gestruepp, komme dann bei einem wunderschoenen Wasserfall heraus, der sich in einen ruhigen tuerkisen Fluss ergiesst und am Flussufer checke man dann in einen der dort ansaessigen Bungalows ein. Dass diese Vorstellung natuerlich allzu utopisch war, was uns bewusst, aber dass die ganze Groessenordnung nicht zutreffen wuerde, war dann doch eine kleine Ueberraschung fuer uns. Vom Bus wurden wir wieder mal quasi im Virgendwo ausgesetzt, wei und brit kein Wasserfall, nur ein grosses Gebaeude und jede Menge Touristenbusse. Wir brauchten eine Zeit lang, um uns zu orientieren und etwas Licht in die ganze Angelegenheit zu bringen. Wir fanden heraus, dass das grosse Gebaeude die Ticketofficewar und dass der Wasserfall nicht zu Fuss erreichbar war. Um in den Genuss von dessen Anblick zu kommen, musste man sich entweder ein Busticket fuer fuenf Euro pro Person zulegen oder ein Taxi fuer insgesamt zehn Euro nehmen. Da fiel uns die Entscheidung natuerlich nicht schwer. So wurden wir von unserem persoenlichen Taxifahrer zu den verschiedensten Spots in dieser Anlage gebracht. Unser erster Halt war bei einem kleinen Wasserfall, zuasi zur Einstimmung auf das, was noch auf uns zukommen wuerde.

Unser naechster Stopp war dann auch schon beim eigentlichen Ziel unser Fahrt: dem Wasserfall. Hier fiel uns zum ersten Mal der chinesische Spleen auf, nie die Sehenswuerdigkeiten fuer sich alleine wirken zu lassen, sondern sie immer mit riesigen Garten- und Parkanlangen zu umgeben, in denen man noch zehn andere Sachenentdecken, bewundern oder einfach ignorieren kann. In diesem Fall gab es einen Bonsai-Garten mit noch etwas sehr grossen Exemplaren von den Anfaengen der Bonsai-Zuechtung bis zu den perfekten Mini-Baeumen, die man in so manchen europaeischen Wohnzimmern finden kann. Darueber hinaus konnte man in einem Lotusteich exrem wohlgenaehrte, um nicht zu sagen fette Goldfische beim Glupschen beobachten. Wahrscheinlich haette es noch so einiges Sehenswertes gegeben, aaber das Wandern bis zum Wasserfall beanspruchte einfach zu viel Zeit, um ch andere Sachen zu besichtigen.

Der weite Weg bis zum Wasserfall inmitten von Massen chinesischer Touristen lohnte sich allemal. Von den alle paar Metern vorhandenen Aussichtspunkten konnte man wunderschoenen Wasserfall beobachten. Allerdings waren die Aussichtspunkte weniger dafuer da, das beeindruckende Wasserspektakel zu beobachten, als massig Beweisfotos von sich und dem glitzernden Wasservorhang zu haben. Oder von sich, dem Wasserfall und zwei westlichen Touristinnen. Wir wurden natuerlich oftmals fotografiert. Wir haben leider nie begonnen mitzuzaehlen, wieoft wir auf fremden Digitalkameras festgehalten wurden, es war aber auf jeden Fall sehr, sehr oft.

Von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt wurden wir schliesslich von den Massen bis hinter den Wasserfall getragen, von wo man den Vorhang auch noch aus einer anderen Perspektive bestaunen konnte. „impressed“ vom Wasserfall waren wir dann aber auch schon ganz schoen erschoepft, als wir nach zweienhalb Stunden aus der Anlage wieder heraus in sFreie gelangten. Der Sightseeingtag war aber noch nicht zu Ende und wir wurden von unserem privaten Fahrer gleich weiter zum letzten Spot gefahren, ein Steinpark. Wiederum eine wunderschoene Anlage mit einem tuerkisem, allerdings etwas sehr verschmutzten Fluss und tollen Steinformationen. Trotz des schoenen Anblicks konnten wir es kaum mehr erwarten, endlich zum Ausgang zu gelangen, immerhin hatten wir die vorangegangene Nach im Zug verbracht und waren seit vier Uhr morgens auf den Beinen. Einmal folgte uns eine Frau und versuchte uns irgendetwas auf Chinesisch verstaendlich zu machen, ohne Erfolg. Aus irgendeinem Grund wollte sie zehn Yuan fuer etwas haben und uns nicht weitergehen lassen. Wir siellen uns aber nicht aufhalten, waren wir doch schon geschafft vom langen Gehen und wollten einfach nur mehr den Walk zu Ende bringen. Sie folgte uns noch eine Zeit lang, schrie uns Sachen zu und blieb schliesslich ein bisschen verzweifelt zurueck. Wir waren sehr forh, sie endlich abgehaengt zu haben und noch froher, als wir endlich den Ausgang erreicht hatten.





Drug-David and „The Boss“

24 12 2009

Als wir in Yangshuo schon etwas erschoepft aus den Bus krochen, wurden wir sofort von einer Schlepperin in Empfang genommen. Sie bot uns ein Zimmer um acht Euro an, was uns eigentlich zu teuer war. Trotzdem trabten wir brav hinter ihr her, waehrend sie uns erklaerte, dass wir uns keine Sorgen wegen des Preises machen zu brauchten, denn „I am the Boss!“ So liessen wir uns von „The Boss“ das Zimmer zeigen und auch noch zwei Betten im Schlafsaal im Hotel ihres Bruders, lehnten vorerst einmal ab und machten uns auf die Suche nach Billigerem. Wir fanden natuerlich nichts und mussten reumuetig zu ihr zurueckkehren, um ihr Angebot doch anzunehmen. So war unsere Sammlung an Billig-Hotel-Zahnbuersten wieder um zwei Exemplare reicher. Allerdings sind wir uns ueber die sonstige Nutzung des Zimmers etwas ungewiss. Neben gedaemmten Licht hatte man auf dem Nachtkaestchen nicht nur Kondome griffbereit zu Verfuegung gestellt, sondern auch fuer jeweils ein GEschlecht spezialisiertes Verwoehnungsoel. Und in einem kleinen Koerbchen war auch noch Unterwaesche bereit gestellt, die man gegen ein paar Yuan erwerben konnte.

Der Vormittag des naechsten Tages war gepraegt von zwei Erkenntnissen.

Erkenntnis Nr. 1: Die Chinesen waren anscheinend nicht wirklich einverstanden mit unserer Blogfuehrung, denn sie hatten ihn gesperrt. Zumindest konnte ich mich nicht einloggen, ohne unseren Geheimtipp zu verwenden. So schrieb ich und schrieb ich, wollte speichern, musste aber erkennen, dass das Internet nicht ganz meiner Meinung war, denn ploetzlich war alles weg. Und ich konnte mir auch nicht wirklich helfen, denn (Erkenntnis Nr. 2:) ein chinesisches Betriebssystem und eine computertechnische Null zu sein, ist keine besonders gute Mischung. Nicht recht viel besser erging es Vera in der Zwischenzeit, die einmal falsch klinckte und danach auf  dem Bildschirm vergebens nach den bearbeiteten Fotos suchte. Dementsprechend frustriert packten wir unsere sieben Zwetschgen zusammen, um in ein Zimmer in dem Hotel des Bosses Bruder zu ziehen, drei Euro billiger(das mag jetzt natuerlich kleinlich klingen, doch in China kann  man sich um dieses Geld fast drei Tage ernaehren, wenn man nicht allzu grossen Hunger hat). In der Lobby stackste uns auch schon wenig spaeter David entgegen, der scheinbare, aber dann doch nicht Bruder des Boss (die Familienverhaeltnisse in Yangshuo haben wir nicht wirklich durchschaut). Nur seine umgehaengte Tasche schien ihn davon abzuhalten, wie ein Gummiball wild in der Gegend herumzuhuepfen. Seine Hyperaktivitaet und Ueberdrehtheit liess nur einen Schluss zu: Dieser Mann nahm Drogen (auch wenn ich es nie beweisen werden kann- sein Benehmen war mir persoenlich Beweis genug). Neben dem Zimmer bot er uns auch nocht eine Tour an inklusive Fruehstueck und sofortigem Start, die zwar unser Budget komplett sprengte, dafuer unser Tagesprogramm komplett auffuellte und uns eine Menge an Organisation und komplizierter Herumfahrerei ersparte. Nach einem chinesischem Fruehstueck (Nudelsuppe mit Erdnuessen, pickled Gemuese und Fisolen) ging es mit dem Rad rauss aus der Stadt ab aufs Land. Vera und ich waren uns einig, dass Radfahren in China soviel leichter ginge als in Oesterreich. Unsere Meinung aenderte sich aber sofort, als wir die asphaltierte Strasse verliessen und gegen einen unebenen Waldweg eintauschten, auf dem wir ordentlich durchgeruettelt wurden. Trotzdem genossen wir die sportliche Betaetigung sehr und nahmen uns natuerlich vor, auch daheim wieder oefter in die Pedale zu treten.

Unser erster Stopp war am Li-River, den wir auf einem Bamboo-Boat erkundeten. Bamboo-Rafting hiess der Spass, denn es ging immer ueber Mini-Wasserfaelle hinab, wobei das Bamboo-Boat mit seinem Vorderteil mit einem grossen Platsch zurueck ins Wasser fiel und uns vollspritzte. Auf dem Fluss kamen wir immer wieder bei Inseln aus Bamboo vorbei, auf denen Getraenke und Essen verkauft wurden. Uns wurde jedes Mal Bier angeboten. Lehnten wir ab, appelierten sie an unser Mitleid dem Fahrer gegenueber. Wir sollten doch dem armen Ruderer unseres Bootes was zum Trinken spendieren. Doch Alkohol dem Ruderer unseres eigenen Bootes zu spendieren, kam uns dann ein bisschen verantwortungslos vor. Wir boten ihm aber an, aus unserer Wasserflasche zu trinken, ganz eingerostet ist unsere soziale Ader ja doch nicht. Da er aber ablehnte, schlossen wir daraus, dass er nicht durstig war. Er war im Uebrigen ein sehr lustiger Zeitgenosse und obwohl wir uns nicht mit ihm unterhalten konnten, weil er natuerlich kein englisches Wort sprach, hatten wir viel Spass. Er und Vera lieferten sich ein Battle im Tiere imitieren. Bei der Imitation einer Ente hatte er eindeutig die Nase vorn, aber Veras Kuh klang eindeutig mehr nach Kuh als seine.

Nach dem Bamboo Rafting fuhren wir weiter mit dem Rad zu einer Wasserhoehle. Die Fuehrung bestand im Wesentlichen darin, dass der freundliche Cinese mit seiner Lampe auf versschiedenste Steinformationen leuchtete und uns erklaerte, welchem irdischen Ding sie gleichschauten. Wir kamen unter anderem bei einer Katze, einer Schildkroete, einer Frau, die sich die Haare waescht und einem alten Mann, der angelt, vorbei. Nach der Fuehrung durften wir noch im Schlamm baden und uns in heissen Quellen wieder saeubern.

Am naechsten Tag brachten wir den zweiten Teil der Tour noch ueber uns. Es war noch eine Flussfahrt, die aber nicht an das Bamboo-Rafting herankam. Deswegen waren wir dann froh, wie sie vorbei war, vor allem deswegen, weil wir einen Zug nach Guiyang zu erwischen hatten.





Dong Bridge

8 12 2009

Naechste Station war ein kleines Dorf, das rund um eine im Dong-Stil erbaute Bruecke entstanden ist, das wir per Longsheng und Sanjiang erreichten. Wir waren sofort begeistert von der gemuetlichen Atmosphaere dort und auch vom Hotel, das uns um sechs Euro ein riesiges Zimmer mit Bad und Balkon inklusive Blick auf den Fluss bot. Wir wanderten ein bisschen herum und liessen uns ein paar Mal von den chinesischen Touristen ablichten und kehrten wieder ins Hotel zurueck, wo wir wieder eine Weile auf unser Essen warten mussten. Dafuer wurden wir aber mit dem vortrefflichen Geschmack des suess-sauer Fisch entschaedigt.

Am naechsten Tag erschienen wir puenktlich um halb elf vor dem Glockenturm des Dorfes, weil dort von den Minderheiten eine kleine Show zum Besten gegeben wurde. Der Beginn der Show hielt die chinesischen Touristen nicht davon ab, froehlich weiterzutratschen. Sie lachten, spassten und quatschten sich munter durch die Show, ohne Ruecksicht auf die Performer dieser zu nehmen. Ihnen war es auch nicht zu peinlich mitten unter der Vorfuehrung aufzuspringen, sich auf den Platz vor das Spektakel zu catchen und die Hand, das obligate Peace-Zeichen formend, vor den Koerper gestreckt in die Kamera zu grinsen. Nicht sehr ruecksichtsvoll, doch die Dorfbewohner sind es wahrscheinlich gewohnt. Nach der Show fuehrten wir uns abermals einen ausgezeichneten Fisch zu Gemuete und brachen dann nach Yangshuo auf, wo wir eine Taxifahrt und zwei Busfahrten spaet abends ankamen.





Erste Schritte im Chinesenland

8 12 2009

Um fuenf Uhr in der Frueh kamen wir in Guilin an, das wir uns wesentlich kleiner vorgestellt hatten. Wir waren einfach noch an die indischen, touristischen Doerflein gewohnt und mussten uns erst auf die Grossstaedte Chinas einstellen. Irgendwo wollen ja die Millionen von Menschen untergebracht werden. Linxuan Tang, so hiess die Chinesin, half uns mit der Zimmersuche und beschaffte uns ein Hotel in der Naehe des Bahnhofs, in dem wir sogar freien Internetzugang in unserem Zimmer genossen. Wir nuetzten es gleich aus, dass wir auch hier wieder weiche und saubere Betten zur Verfuegung hatten (was uebrigens in fast ganz China der Fall war, unser Seidenschlafsackinlett durfte bis auf zweimal immer im Rucksack verweilen) und schliefen uns mal drei Stunden aus, die holprige Busfahrt hatte halt doch nicht soo den grossen Erholungsfaktor. Danach erkundeten wir den Elefantenpark, eine groessere Parkanlage, in deren Mitte ein Berg steht, der aussieht wie ein Elefant, der seinen Ruessel ins Wasser streckt. Hier wurden wir erstmals „Opfer“ unseres Reisefuehrers, der aus dem Jahre 2004 stammt und in dem noch kein Wort verloren wird ueber einen Eintrittspreis, der beim Park zu zahlen sei. Darueber hinaus trafen wir in diesem Park auch erstmals eine Menge chinesischer Touristen, die sich wild um den besten Platz stritten, um mit dem  Elefanten als Hintergrund fotografiert zu werden. Nach unserem ersten Sightseeing in China fuhren wir wieder ins Hotel zurueck, allerdings nicht ohne einen kleinen Umweg zu machen-wir stiegen in den Bus in die falsche Richtung ein. Es ist eben nicht so leicht, in China nach dem Weg zu fragen. Wenig spaeter wurden wir auch schon wieder von Linxuan Tang abgeholt und sie fuehrte uns zum Universitaetsgelaende Guilins, auf das wir, dank ihrer Ausdauer bei der Suche nach einem Eingang, bei dem man nichts zahlen muss, gratis kamen. So konnten wir die wunderschoene Anlage bewundern, ausgestattet mit einem Fluss, der sich mittens hindurchschlaengelt, und mehreren besonderen Baeumen, zum Beispiel einem Baum, aus dem ein anderer Baum herauswaechst. Da es schon sechs wurde und Chinesen ja sowieso die ganze Zeit den Drang haben, zu essen, war ihr naechster Vorschlag, essen zu gehen, den wir auspesprochen gutheissten. Dank ihr kamen wir in den Genuss eines sensationellen Fisch und einer ueberaus leckeren Melanzani, von der Vera ganz begeistert war, denn wir waren an die Melanzanis von unseren Grillabschlussfeiern gewohnt und wer da dabei war, wird sich wohl erinnern, dass die nicht wirklich das Gelbe vom Ei waren. Wir waren wirklich sehr dankbar, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, denn mit ihr viel auch das Bestellen sehr viel einfacher. Und so viel es uns sehr schwer, sich von ihr zu verabschieden, nachdem sie uns noch ein bisschen durchs naechtliche Guilin gefuehrt, uns noch zwei Pagoden in einem See mitten in Guilin-eine gold und eine silber- gezeigt und uns zurueck ins Hotel gebracht hatte. Aber vielleicht sehen wir sie ja bald wieder, sie zieht naemlich nach Weihnachten nach Deutschland. Sie hat sogar gesagt, dass sie nach Linz zieht, wir sind uns aber nicht ganz sicher, ob sie auch wirklich unser Linz meint. Auf jeden Fall freut sie sich schon sehr auf Schweinsbraten und ihren Freund, der bereits in Deutschland wohnt.

Neuer Tag, neue Stadt, nach diesem Motto bewegten wir uns die meiste Zeit fort in China. An diesem Tag hiess die neue Stadt Ziyuan und war Guilin nicht wirklich aehnlich. Waehrend Guilin mit all den Leuchtreklamen, seinem sauberen und gepflegten Aussehen und den gestylten Bewohnern glaenzte, wirkte Ziyuan ziemlich verlebt. Man merkte auch sofort an der Art, wie man gemustert wurde, dass die Leute nicht wirklich gewohnt waren an Touristen geschweige denn ein Wort Englisch sprachen. Das einchecken im Hotel verlief wie in einem Stummfilm. Wir holten unsere Sprachhilfen heraus, deuteten auf das chinesische Zeichen fuer Zimmer, sie auf den Preis und so weiter. Natuerlich brauchte alles seine Zeit, aber schlussendlich konnten wir ein grosses, billiges Zimmer beziehen, wiederum mit Zahnbuersten und Handtuechern, die uns zu Verfuegung gestellt wurden (mit den vielen Zahnbuersten, Seifen und Shampoos, die wir in China gesammelt haben, koennten wir bereits eine eigene Abteilung bei DM fuellen). Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Erfuellung zweier Missionen. Unsere erste Mission war es, etwas zu finden, was man auf Brot schmieren kann. Schwierig, schwierig, vor allem da es China nicht mal richtiges Brot gibt. Nur etwas toastaehnliches, das aber sehr sehr weich ist und vor allem auch sehr, sehr suess. Unser erster Gedanke war Kaese. Wurde verneint. Dann schraubten wir unsere Erwartungen auf Butter hinunter. Welches Land hat bitte keine Butter. Tja, China zum Beispiel. Als naechstes dachten wir an Marmelade. Gab es in keinem von den drei kleinen Geschaeften, in denen wir nachfragten. Erst in einem groesseren Supermarkt fanden wir ganz versteckt ein paar kleine Glaesser Marmelade. Aber da war es schon zu spaet, denn wir hatten bereits dieses Teufelszeug namens Honig gekauft. Leider.  So schleppten wir von nun an ein riesiges Glas voll mit klebrigen Zeug, das keinewegs von einem Deckel aufgehalten wurde auszulaufen und deswegen von mindestens zwei Plastiksackerl geschuetzt war, mit uns mit. Grauenvoll!!

Zweite Mission war es, eine Tour zu organiesieren. Wir wollten am naechsten Tag eine Flussfahrt unternehmen. Doch wie macht man ein paar Chinesen, die kein Wort Englisch verstehen, klar, was man will (wir waren schon froh, dass wir zumindest das Hotel gefunden hatten, wo sie solche Touren anbieten, auch das war schon harte Arbeit). Nach einer viertel Stunden waren wir zumindest schon so weit, dass sie wussten, was wir unternehmen wollten. Allerdings fing da das Problem erst richtig an, denn als naechstes wollten die W-Fragen erforscht werden. Wann startet das ganze, wo muessen wir uns dann einfinden, wieviel kostet der Spass. Sie waren wirklich sehr bemueht, uns alles so gut wie moeglich mitzuteilen, doch sie verstanden nicht wirklich, dass wir kein Wort Chinesisch verstanden, zumindest dass wir es nicht lesen konnten. Denn immer wenn wir etwas nicht verstanden, holten sie sofort ein Stueck Papier heraus und malten es liebevoll mit chinesischen Zeichen voll, was uns kein Stueck weiterbrachte. Um die Uhrzeit herauszufinden, malten wir ihnen eine Uhr auf, auf der sie einfach den Zeitpunkt einzeichnen sollten, wann wir hier sein sollten. Die erste machte ein Kreuz bei sieben, der zweite nickte wissend und machte sein Kreuz bei neun Uhr und der dritte im Bunde machte einfach einen Pfeil, der von sieben bis neun ging. So dachten wir, vielleicht dauert das ganze zwei Stunden, startet um sieben und dauert bis neun. Doch als wir nochmal nachfragten, wann das ganze endet, wurde ein Kreuz bei zwoelf gemacht. Wir waren verwirrt. Und so ging es die ganze Zeit weiter, bis wohl der einzige Mensch , der in Ziyuan und im Umkreis von Ziyuan Englisch spricht, angerufen wurde und er uns helfend zur Seite stand. Mit ihm als Vermittler fanden wir heraus, dass eine Flussfahrt gar nicht moeglich war, da der Wasserstand zu niedrig sei. Also wurde umgplant auf eine Tour zu einem schoenen Berg, Start um sieben Uhr, Ende zwoelf Uhr. Und auch alle sonstigen Details wurden schliesslich in einem Rekordtempo geklaert, so dass wir nach mehr als drei Stunden endlich das Hotel verlassen konnten, um zu unserem eigenen Hotel zurueckzukehren und uns fuer den naechsten Tag auszuschlafen.

Das mit der Tour klappte alles wunderbar, nur das Wetter machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung. Es war bedeckt und etwas regnerisch, aber stiegen trotzdem den Berg hinauf und wanderten zwei Stunden in dieser Anlage herum, mutterseelenallein. Danach wurden wir von unserem ausschliesslich Chinesisch sprechenden Fahrer wieder in Ziyuan abgesetzt und so war unser Ausflug schon zu Mittag vorbei und wir verbrachten den Rest des Nachmittags mit dem Fernseher. Es gab einen englschissprachigen Sender, zwar nicht wirklich das Gelbe vom Ei, denn ausser Nachrichten alle 15 Minuten brachte es nur ganz kurze, meist uninteressante Dokumentationen, doch zumidest erweiterten wir bei einer Sprachtrainingssendung unseren chinesischen Wortschatz von „Oesterreicht“, „Hallo“ und „Danke“ um das Wort „nur“.

Am naechsten Tag ging es weiter nach Longsheng  und von dort dann direkt weiter nach Longji zu den Reisterassen. Im Bus lernten wir einen Hngkonger kennen, der uns das am hoechsten gelegene Hotel empfahl, um den Sonnenaufgang am naechsten Tag zu geniessen. Unser Gepaeck wurde von den lokalen Langhaarfrauen den Berg hinaufgehievt, die unsere ganze Bewunderung dafuer hatten. Den Rest des Abends verbrachten wir dann damit, ewig lange auf unser Essen zu warten, das vorzueglich dafuer schmeckte und natuerlich schauten wir uns auch den Sonnenuntergang an. Nach dem wunderschoenen Sonnenaufgang am naechsten Morgen und unserem ersten richtigen chinesischem Fruehstueck, bestehend aus Ei, Suesskartoffel, Reissuppe und noch ein paar anderen Leckereien, starteten wir den Walk zurueck ins Tal. Diesmal trugen wir unsere Rucksaecke selbst und waren erstaunt darueber, wie leicht uns das von der „Hand“ ging. Auf dem Weg nach unten machten wir eine Pause in einem kleinen Cafe mit englischer Speisekarte. Allerdings dauerte es eine Weil, bis man uns bemerkte, das Besitzerehepaar war zu sehr damit beschaeftigt sich gegenseitig anzuschreien beziehungseise sich die Hoelle heiss zu machen. Doch man liess sich dann doch dazu herab, die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken und brachte die Karte. Wir bestellten eine „Cold Chocolate“ und einen Apple Pie mit Vanilleeis. Wir bekamen eine Hot Chocolate und ein frittiertes Irgendwas mit Aepfeln darin. Vanilleeis blieb der ganzen Veranstatlung fern. Dafuer kamen wir noch in den Genuss der Kaemmsession der Frau des Hauses, die ebenfalls eine Langhaarfrau war. Auf die Frage, wie lange sie sich die Haare schon wachsen liess, antwortete sie „neun“. Allerdings sind wir uns unsicher, ob sie meinte, seit sie neun Jahre alt war oder seit neun Jahren. Genauso sind wir uns unsicher, was die Bluterguesse auf ihrem Hals betrifft, ob es sich dabei um Knutschflecken, Wuergemale oder etwas komplett anderes handelte. Sicher ist, dass sie eine sehr leidenschaftliche Beziehung fuehren, ob nun im positiven oder im negeativen Sinne. Wir waren auf jeden Fall sehr stolz auf uns, dass wir den Abstieg so schnell und fast muehelos geschafft haben und wir uns mittags zu unserer naechsten Destination aufmachen konnten.





Novotel, oh Novotel

10 11 2009

Die Fluege nach China beziehungsweise nach Hong Kong verliefen etwas turbulent. Wir wurden ziemlich durchgeruettelt und das Angurtzeichen leuchtete fast durchgaengig. Darueber hinaus fuehlte sich Vera nicht besonders gut und wahrend ich auch noch ihr Fruehstueck verdrueckte, nahm sie Gebrauch von dem Speibsackerl, das einem auf jedem Flug zur Verfuegung gestellt wird. Man sollte auch nicht unerwahent lassen, dass ein Steward beim ersten Flug ziemlich begeistert von uns gewesen zu sein schien und uns unbedingt bei Facebook einspeichern wollte. Als Gegenleistung warf er uns immer wieder Geschenke zu, Zahnbuersten, Erdnuesse, hunderttausend Kaemme und was der Reisende sonst noch so alles begehrt. Doch bis heute ist noch keine Freundschaftsanfrage von ihm eingetroffen.

In Hong Kong angekommen beschlossen wir wieder einmal, unsere Plaene zu aendern. Urspruenglich wollten wir gleich aus Hong Kong raus nach Guangzhou zu einem Couchsurfer. Da sich Vera aber nicht besonders gut fuehlte, steuerten wir den Hotelreservierungsschalter am Flughafen an und goennten uns mal fuer eine Nacht ein Luxushotel. Eine Nacht im Novotel, wer kann dazu schon nein sagen. Wer schon mal einen Monat in Indien verbracht hat, und das auf kompletter Sparflamme, das soll heissen, nur in den allerbilligsten Hotels wohnen, der kann sich vorstellen, was fuer einen quasi Kulturschock wir hier erlebten. Erstmal konnte unser Schlafsackinlett im Rucksack bleiben, das Zimmer war sauber, es war Klopapier am Klo, es gab ueberhaupt ein Klo, und man konnte darauf sitzen. Es gab eine Badewanne und das schoenste: Es gab einen Fernseher mit vielen englischen Kanaelen. Wir fuehlten uns wie auf Wolke7. Eine Stunde nach unserer Ankunft im Hotel, also um fuenf am Nachmittag, fielen wir totmuede ins Bett, das wir dann bis um neun in der Frueh auch nicht mehr verliessen. Denn da startete der Hoehepunkt unseres Novotelaufenthalts: das Fruehstuecksbuffet. Eine Auswahl an allem. Wir bekamen endlich wieder einmal Milch, es gab Brot, es gab Waffeln, es gab einfach alles und wir probierten auch alles, auch wenn uns nachher der Bauch ziemlich zum Boden hing. Es ist verstaendlich, dass uns der Abschied sehr schwer fiel, doch um zwoelf Uhr mittags mussten wir dann doch auschecken, es half alles nichts, noch eine Nacht haette nicht nur unser Budget, sondern auch unsere Routenplanung gesprengt, die in China sehr streng eingehalten werden musste, um auch ja wieder puenktlich in einem Monat zurueck in Hong Kong zu sein, von wo unsere Fliegerei weitergehen sollte. Also brachen wir mit Sack und Pack wieder auf, fuhren eine halbe Ewigkeit mit der Metro und konnten nach einer Unmengen von Formulitaeten und Passkontrollen endlich von Hong Kong aus nach China einreisen. Mit einem schnellen Zug (wir waren von Indien eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h gewohnt) fuhren wir dann nach Guangzhou, wo wir noch auf unseren Couchsurfer Pietro und seine Freundin Bella vor seiner Wohnung warten mussten, die um neun Uhr abends eintrudelten. Da sowohl sie, als auch wir sehr muede waren, gab es nicht mehr sehr viel Konversation, sonder einfach nur mehr schlafen. Am naechsten Morgen verliessen wir die Wohnung in der Frueh, um eine kurze Entdeckungstour zu machen, eigentlich vorwiegend, um Fruehstueck zu finden. Wir kehrten bei Ikea ein, wo man auf einem Blick Chinas Einkindpolitik erkennen konnte. Hunderte von Eltern tuemmelten sich am Sonntagmorgen mit ihren Einzelkindern auf Ikeas Fluren und hielten geduldig dem Gemotze, Geschreie und Geflehe der meist verzogenen Kindlein stand. Moebel kauften wir keine dort, dafuer versorgten wir uns mit allerbilligstem Fruehstueck, was uns hier noch leicht fiel, da alles zweisprachig angeschrieben war. Danach kehrten wir wieder in die Wohnung zurueck, nur um sie wenig spaeter wieder zu verlassen, um in die Innenstadt zu fahren, wo ich hoffte, eine Kamera erstehen zu koennen (meine ist ja baden gegangen). Doch das stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus, kenne ich mich ja kaum aus bei Kameras und hatte ich ja auch keine Ahnung, nach was ich wirklich suchte. Hinzu kam noch, dass man von den Verkaeufern keine wirkliche Hilfe erwarten konnte, sie verstanden einen ja kaum. Und war einer dann doch faehig, Englisch zu sprechen, war sein Fachvokabular in Bezug auf Kameras doch sehr mager. Doch auch so war es ein Erlebnis, in einer chinesischen Computer- und Technikmall herumzuspazieren, umgeben von den modernsten Geraeten. Als ein Verkaeufer Veras Kamera zu Gesicht bekam, fragte er sie, ob sie sie schon vor drei Jahren gekauft haette, das tatsaechliche Alter der Kamera war nicht mal ein ganzes Jahr, was bei ihm einen kleinen Lachanfall hervorrief. Wie wir so dahinschlenderten wurden wir von drei Chinesinnen angesprochen, die Englisch studierten und die das Sprechen etwas ueben wollten. So liessen wir uns von ihnen interviewen und dann natuerlich noch ablichten, das erste Foto in China, das von uns gemacht wurde, dem aber noch sehr, sehr viele andere folgen sollten. Nach ein, zwei Stunden ging es wieder zurueck in die Wohnung, wo wir noch ein kurzes Schlaefchen hielten, bevor unsere Reise weiterging. Die Tickets fuer unsere Weiterfahrt nach Guilin hatten wir schon am Vortag gleich nach unserer Ankunft erstanden. Um nicht wieder zu verhungern waehrend der Fahrt, wollten wir noch was essen vor der Abfahrt. Also fielen wir in das erstbeste Restaurant ein und mussten erstmals feststellen, das in China das Bestellen von Essen wohl ein kleines Problem werden koennte, vor allem wenn man Vegetarierin ist. Wir holten natuerlich gleich unsere Sprachhilfen heraus und deuteten auf  „Vegetarisches Gericht“. Die Frau an der Kassa schien zu verstehen und deutete auf der Bildspeisekarte auf ein Gericht. Doch das Bild der Speise sah nicht unbedingt vegetarisch aus, also zeigten wir ihr die Nahrungsmittel in unserer Sprachhilfe und ihr Finger zeigte auf das chinesische Zeichen fuer „duck“. Wir schlossen daraus, dass sie es nicht wirklich verstanden hatte, was wir wollten und gingen rein nach Gefuehl und waehlten fuer mich einfach ein sehr vegetarisch aussehendes Gericht aus auf der Karte, das es auch dann tatsaechlich war. Vera bestellte sich Ente und musste erkennen, das zu dem Essen im Chinarestaurant in Oesterreich und in Amerika ein erheblicher Unterschied besteht. Denn die Chinesen machen sich keineswegs die Muehe, Knochen zu entfernen, das Tier wird, so wie es ist, seviert und man muss sich dann abplagen damit, die Knochen abzukiefeln. Aber geschmeckt hat es ihr trotzdem.

Auf der Bushaltestelle lernten wir dann auch noch eine deutschsprechende Chinesin kennen, ein von Gott gesandter Engel fuer uns, denn ohne ihr waeren wir manchmal ziemlich verloren gewesen, denn das Reisen mit einem Schlafbus war uns bislang unbekannt und der Fahrer gab nur Anweisungen auf chinesisch. Ausserdem lernten wir von ihr, dass die meisten Chinesen verstanden, dass man mit „WC“ Klo meint, ein sehr wertvoller Tipp, der uns oftmals auf der Reise durch China das Leben beziehungsweise eine trockene Hose rettete.  Und wieder einmal um eine Bekanntschaft reicher entschlummerten wir im Bus mehr oder weniger friedlich-die Strasse war etwas holprig- und kamen am naechsten Morgen in Guilin an.