Der Weg ist das Ziel

30 09 2009

Busfahren in Indien kann ja schoen und lustig sein, aber das in Masen genossen. Was wir auf dem Weg von Manali nach Rishikesh mitgemacht haben, war schon eine kleine Ueberstrapazierung unserer Busnerven.

Damit wir uns nicht einfach fuer zehn Stunden in den Bus setzen, sondern auch noch ein bisschen was anderes sehen von Indien als den Busfahrer von hinten, beschlossen wir, den Weg nach Rishikesh, der Welt-Yoga-Hauptstadt, in drei Teile zu staffeln. Unsere erste sechsstuendige Busfahrt (zwei weitere sollten noch folgen) fuehrte uns nach Mandi, wo wir gleich auf den  Anschlussbus nach Revalsar aufsprangen. Um 9 am Abend, also in Indien in tiefschwarzer Nacht, da hier weitestgehend Strassenlaternen fehlen, die den Wegrand pflastern, kamen wir dort an und fanden nach kurzer Suche eine billige Unterkunft in einer Gumpa. Am naechsten Morgen offenbarte sich uns bei Zaehneputzen (das Waschbecken war unter freiem Himmel, was einem Affen die Moeglichkeit bot, sich darin zu erleichtern, gross zu erleichtern, wohlgemerkt) der im Reisefuehrer angepriesene Revalsar-See, wegen dem wir uns vornehmlich nach Revalsar begeben hatten. Ein kleiner, suesser See, an dessen Ufer Tempel sowohl der Sikhs, der Buddhisten als auch der Hindus gelegen sind. Innerhalb einenhalb Stunden hatten wir die Tempel abgeklappert und den See umrundet, was uns dazu veranlasste, unseren Plan, noch eine Nacht hier zu verbringen, zu ueberdenken. So wurden schnell die Rucksaecke gepackt, ausgecheckt und der Bus wieder zurueck nach Mandi genommen, von wo wir wiederum den Bus nach Chandigarh nahmen. Chandigarh ist eine Stadt, die von Grund aus neu entworfen wurde von dem Architekten Le Cobusier.Sie ist in viele rechteckig angelegt, die alle durch Parks und Gruenflaechen getrennt werden. Die Ankunft dort war nicht sehr erfreulich, wurde doch Vera im Bus vom Busbahnhof Richtung Zentrum von einem penetranten Inder zugequatscht, der schon viele europaeische Filme gesehen hat. Und in denen wollen die Frauen immer nur Sex. Ob das denn in Wirklichkeit auch so sei. Und grosse Brueste haetten sie noch dazu, die Frauen in europaeischen Filmen. Und so weiter und so fort. Ein anderer Inder wollte uns nach dem Aussteigen aus dem Bus unbedingt noch begleiten. Er zeigte sich auch sehr hilfbereit, erklaerte uns sogar, was eine Riksha ist, „like a car, which brings you, where you want“. Als wir auch diesen endlich abgeschuettelt hatten, begaben wir uns endlich auf die Suche nach einem guenstigen Hotel, was es, wie uns bald klar wurde, in Chandigarh nicht gibt. Das erste Hotel, in das wir gingen, bot uns Zimmer zu deftigen Preisen, fuer uns Backpacker unbezahlbar. Die naechsten beiden Hotels waren jeweils „full“. Im vierten Hotel wurden wir dann endlich fuendig, um 600 Rs wurde uns ein Zimmer angeboten, was wir, erschoepft von der Fahrt, widerwillig in Kauf nahmen. Doch auch hier konnten wir uns es nicht einfach im Zimmer bequem machen, zwischen uns und Schlaf lagen noch zwei Zimmerwechsel. Das erste Zimmer konnte nicht richtig geschlossen werden und im zweiten tuemmelten sich im Bad die Maden. Doch aller guten Dinge sind drei und so konnten wir im dritten Zimmer endlich unsere Seidenschlafsackinletts auf dem Bett ausbreiten.

Am naechsten Morgen quaelten wir uns wieder einmal frueh aus den Federn. Unser Plan fuer den Tag lautete, sich den Rock Garden anzuschauen, ein Garten voll mit Skulpturen des Kuenstlers Nek Chan, der aus Muell und Abfall Kunstwerke produziert. Eine riesige gruene und idyllische Anlage, die meiner Kamera leider nicht sehr viel Glueck brachte. Da wieder einmal Inder ein Foto von uns machen wollten, stopfte ich sie lieblos zurueck in mein Bauchtascherl, vergas dabei jedoch, dieses zu schliessen, und so machte es, als ich den Spaziergang durch den Park fortsetzen wollte „Platsch“ und ich sah sie im Teich neben mir versinken. Gott sei Dank konnte ich sie noch herausfischen, so sind wenigstens die Fotos gerettet.

Als wir auf dem Rueckweg uns in die harten Polster der Fahrradriksha kuschelten, kam uns ploetzlich eine weitere Fahrradriksha entgegen, auf der, wie es der Zufall so will, Chris Platz genommen hatte, den wir eigentlich in Manali zurueckgelassen hatten. Die Wiedersehensfreude war gross und wir verabredeten uns sogleich fuer spaeter am Busbahnhof, von wo wir unsere letzte Fahrt nach Rishikesh antraten.


Aktionen

Information

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: