Endstation Delhi

10 11 2009

Unser letzter Tag in Indien begann so gut, erfuhr dann aber einen herben Absturz. Einen ersten Daempfer bekamen wir durch den Busfahrer, der uns nicht besonders entgegenkam bei der Wahl der Lautstaerke der Musik. Wir waren die ersten im Bus und viel zu frueh, hatten also freie Sitzplatzwahl und nahmen die Plaetze in der ersten Reihe fussfrei fuer uns in Anspruch, der wohl praktischste Ort, um uns zusammen mit unseren Rucksaecken unterzubringen. Doch kaum hatten wir uns niedergelassen, wurde der Volumeknopf der Musikanlage bis auf Anschlag gedreht und wir wurden mit miesen indischen Mischmasch aus Pop- und Technomusik beschallt. Der Fahrer deutete uns an, dass wir uns, wenn uns die Musik zu laut sei, doch in die hinteren Reihen zurueckziehen sollten, was wir ablehnten, weil wir unsere Rucksaecke im Auge behalten wollten. Und da der Busfahrer sowieso gleich danach ausstieg, machten wir uns einfach selbst an dem Lautstaerkenregler zu schaffen und konnten somit die Minuten bis zur Abfahrt in Ruhe verbringen. Danach kam die Musik gegen das typisch indische Gehupe sowieso nicht mehr an. Der Bus war vollgestopft bis zum gehtnichtmehr. Wir konnten nicht einmal wirklich unsere Fuesse auf den Boden stellen, da ueberall Saecke lagen. Neben uns sass eine junge, moderne Inderin mit Piepsstimme. Wir erfuhren, dass sie Stewardess ist und ihr Freund Pilot, wobei ich mir das mit dem Piloten selbst zusammengereimt habe. Er koennte genauso gut Fleischer sein, ich hab es nicht wirklich verstanden, aber das Klischee Stewardess-Pilot passte einfach so gut. Den Grossteil der Zeit verbrachten wir schlafend, Veras Kopf auf meiner rechten Schulter, der Kopf der Inderin als Gegengewicht auf meiner linken Schulter und ich in der Mitte. So ueberstanden wir die fuer indische Verhaeltnisse sowieso sehr kurze Busfahrt von fuenf Stunden sehr gut. Nach fuenf Stunden wurden wir allerdings nicht so wie beim letzten Mal, als wir nach Delhi gfahren sind, bei einer Metrostation ausgelassen, sondern einfach im Nirgendwo. Wir hatten keine Ahnung, wo wir waren, nur den Drang, so schnell wie moeglich in die Stadt zu kommen, immerhin mussten wir ja das schoen eingenaehte Paket noch loswerden. So nahmen wir gemeinsam mit der Inderin eine Riksha, liessen uns zur Metrostation bringen und von dort nahmen wir dann die Untergrundbahn bis zum Zentrum. Im Nachhinein wurde uns natuerlich unsere Umstaendlichkeit klar, wir haetten auch die Riksha fuer den ganzen Weg nehmen koennen, doch der Geiz liess uns nach dem „warum denn einfach, wenn es kompliziert auch geht“-Prinzip handeln und wir kamen trotzalledem noch rechtzeitig zur Post und konnten dort ohne Probleme, bis auf dass uns der Herr Postmeister unser Klebeband fuer sich behielt, unser Paket aufgeben. Darueber hinaus lernten wir dort wieder einmal eine Deutsche kennen, die schon zehn Monate in Indien ist zwecks Arbeit und die furchterregende Verschwoerungstheorien gegen ihren Chef gesponnen hat, mit irgendwelchen Sachen ins Trinken mischen, um Geld zu erpressen und so weiter. Wir waren etwas geschockt. Aber sie schien noch sehr froehlich und munter, schrieb uns einige Busse auf, die laut ihr zum Flughafen fuehren und gab uns zum Abschluss dann noch ein Heftchen mit dem klingenden Namen „Jesus kommt zurueck“. Um eine Bekanntschaft reicher begaben wir uns noch zum „Subway“, um einen Teil unseres letzten inischen Geldes fuer Essen auszugeben und fragten uns dann zu einer Bushaltestelle durch. Doch die Busse, die uns die Deutsche angegeben hatte, schienen alle doch nicht wirklich in diese Richtung zu gehen. Also schlug man uns vor, den Bus bis zum Domestic Airport zu nehmen und von dort dann mit der Riksha zum International Airport zu fahren. Das klang sehr gut und war mit den Preisen, die die Inder angaben, auch noch mit unserem bereits sehr knappen Budget zu bewaeltigen. Die Realitaet sah aber dann doch ganz anders aus, denn wir wurden nicht so ganz beim Domestic Airport rausgelassen, er war zwar angeschrieben, war aber weit und breit nicht zu sehen. Tatsaechlich wurden wir auf einer Art Autobahn ausgelassen, auf der wir nun versuchen mussten, irgendwie eine Riksha zu stoppen. Hin und wieder blieben auch wieder Rikshafahrer stehen, doch ihre Preise variierten zwischen 150 und 300 Rs. Diesmal waeren wir sogar bereit gewesen, mehr zu zahlen, immerhin mussten wir einen Flug erwischen, doch wir konnten nicht, denn von unserem inidischen Geld waren nur mehr 90 Rs uebrige. Wenn wir das den Rikshafahrer erklaerten fuhren sie meistens einfach kopfschuettelnd davon und liessen uns verzweifelt im Nirgendwo zurueck. Gott sei Dank fanden wir dann aber einen Rikshafahrer, der bereit war uns fuer zwei Euro, die wir noch in unserem Geltaeschchen gefunden hatten, zum Flughafen zu bringen. Und so kamen wir doch noch rechtzeitig, sogar um einiges zu frueh, am Flughafen an, um unseren Flieger nach China zu nehmen.


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