Novotel, oh Novotel

10 11 2009

Die Fluege nach China beziehungsweise nach Hong Kong verliefen etwas turbulent. Wir wurden ziemlich durchgeruettelt und das Angurtzeichen leuchtete fast durchgaengig. Darueber hinaus fuehlte sich Vera nicht besonders gut und wahrend ich auch noch ihr Fruehstueck verdrueckte, nahm sie Gebrauch von dem Speibsackerl, das einem auf jedem Flug zur Verfuegung gestellt wird. Man sollte auch nicht unerwahent lassen, dass ein Steward beim ersten Flug ziemlich begeistert von uns gewesen zu sein schien und uns unbedingt bei Facebook einspeichern wollte. Als Gegenleistung warf er uns immer wieder Geschenke zu, Zahnbuersten, Erdnuesse, hunderttausend Kaemme und was der Reisende sonst noch so alles begehrt. Doch bis heute ist noch keine Freundschaftsanfrage von ihm eingetroffen.

In Hong Kong angekommen beschlossen wir wieder einmal, unsere Plaene zu aendern. Urspruenglich wollten wir gleich aus Hong Kong raus nach Guangzhou zu einem Couchsurfer. Da sich Vera aber nicht besonders gut fuehlte, steuerten wir den Hotelreservierungsschalter am Flughafen an und goennten uns mal fuer eine Nacht ein Luxushotel. Eine Nacht im Novotel, wer kann dazu schon nein sagen. Wer schon mal einen Monat in Indien verbracht hat, und das auf kompletter Sparflamme, das soll heissen, nur in den allerbilligsten Hotels wohnen, der kann sich vorstellen, was fuer einen quasi Kulturschock wir hier erlebten. Erstmal konnte unser Schlafsackinlett im Rucksack bleiben, das Zimmer war sauber, es war Klopapier am Klo, es gab ueberhaupt ein Klo, und man konnte darauf sitzen. Es gab eine Badewanne und das schoenste: Es gab einen Fernseher mit vielen englischen Kanaelen. Wir fuehlten uns wie auf Wolke7. Eine Stunde nach unserer Ankunft im Hotel, also um fuenf am Nachmittag, fielen wir totmuede ins Bett, das wir dann bis um neun in der Frueh auch nicht mehr verliessen. Denn da startete der Hoehepunkt unseres Novotelaufenthalts: das Fruehstuecksbuffet. Eine Auswahl an allem. Wir bekamen endlich wieder einmal Milch, es gab Brot, es gab Waffeln, es gab einfach alles und wir probierten auch alles, auch wenn uns nachher der Bauch ziemlich zum Boden hing. Es ist verstaendlich, dass uns der Abschied sehr schwer fiel, doch um zwoelf Uhr mittags mussten wir dann doch auschecken, es half alles nichts, noch eine Nacht haette nicht nur unser Budget, sondern auch unsere Routenplanung gesprengt, die in China sehr streng eingehalten werden musste, um auch ja wieder puenktlich in einem Monat zurueck in Hong Kong zu sein, von wo unsere Fliegerei weitergehen sollte. Also brachen wir mit Sack und Pack wieder auf, fuhren eine halbe Ewigkeit mit der Metro und konnten nach einer Unmengen von Formulitaeten und Passkontrollen endlich von Hong Kong aus nach China einreisen. Mit einem schnellen Zug (wir waren von Indien eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h gewohnt) fuhren wir dann nach Guangzhou, wo wir noch auf unseren Couchsurfer Pietro und seine Freundin Bella vor seiner Wohnung warten mussten, die um neun Uhr abends eintrudelten. Da sowohl sie, als auch wir sehr muede waren, gab es nicht mehr sehr viel Konversation, sonder einfach nur mehr schlafen. Am naechsten Morgen verliessen wir die Wohnung in der Frueh, um eine kurze Entdeckungstour zu machen, eigentlich vorwiegend, um Fruehstueck zu finden. Wir kehrten bei Ikea ein, wo man auf einem Blick Chinas Einkindpolitik erkennen konnte. Hunderte von Eltern tuemmelten sich am Sonntagmorgen mit ihren Einzelkindern auf Ikeas Fluren und hielten geduldig dem Gemotze, Geschreie und Geflehe der meist verzogenen Kindlein stand. Moebel kauften wir keine dort, dafuer versorgten wir uns mit allerbilligstem Fruehstueck, was uns hier noch leicht fiel, da alles zweisprachig angeschrieben war. Danach kehrten wir wieder in die Wohnung zurueck, nur um sie wenig spaeter wieder zu verlassen, um in die Innenstadt zu fahren, wo ich hoffte, eine Kamera erstehen zu koennen (meine ist ja baden gegangen). Doch das stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus, kenne ich mich ja kaum aus bei Kameras und hatte ich ja auch keine Ahnung, nach was ich wirklich suchte. Hinzu kam noch, dass man von den Verkaeufern keine wirkliche Hilfe erwarten konnte, sie verstanden einen ja kaum. Und war einer dann doch faehig, Englisch zu sprechen, war sein Fachvokabular in Bezug auf Kameras doch sehr mager. Doch auch so war es ein Erlebnis, in einer chinesischen Computer- und Technikmall herumzuspazieren, umgeben von den modernsten Geraeten. Als ein Verkaeufer Veras Kamera zu Gesicht bekam, fragte er sie, ob sie sie schon vor drei Jahren gekauft haette, das tatsaechliche Alter der Kamera war nicht mal ein ganzes Jahr, was bei ihm einen kleinen Lachanfall hervorrief. Wie wir so dahinschlenderten wurden wir von drei Chinesinnen angesprochen, die Englisch studierten und die das Sprechen etwas ueben wollten. So liessen wir uns von ihnen interviewen und dann natuerlich noch ablichten, das erste Foto in China, das von uns gemacht wurde, dem aber noch sehr, sehr viele andere folgen sollten. Nach ein, zwei Stunden ging es wieder zurueck in die Wohnung, wo wir noch ein kurzes Schlaefchen hielten, bevor unsere Reise weiterging. Die Tickets fuer unsere Weiterfahrt nach Guilin hatten wir schon am Vortag gleich nach unserer Ankunft erstanden. Um nicht wieder zu verhungern waehrend der Fahrt, wollten wir noch was essen vor der Abfahrt. Also fielen wir in das erstbeste Restaurant ein und mussten erstmals feststellen, das in China das Bestellen von Essen wohl ein kleines Problem werden koennte, vor allem wenn man Vegetarierin ist. Wir holten natuerlich gleich unsere Sprachhilfen heraus und deuteten auf  „Vegetarisches Gericht“. Die Frau an der Kassa schien zu verstehen und deutete auf der Bildspeisekarte auf ein Gericht. Doch das Bild der Speise sah nicht unbedingt vegetarisch aus, also zeigten wir ihr die Nahrungsmittel in unserer Sprachhilfe und ihr Finger zeigte auf das chinesische Zeichen fuer „duck“. Wir schlossen daraus, dass sie es nicht wirklich verstanden hatte, was wir wollten und gingen rein nach Gefuehl und waehlten fuer mich einfach ein sehr vegetarisch aussehendes Gericht aus auf der Karte, das es auch dann tatsaechlich war. Vera bestellte sich Ente und musste erkennen, das zu dem Essen im Chinarestaurant in Oesterreich und in Amerika ein erheblicher Unterschied besteht. Denn die Chinesen machen sich keineswegs die Muehe, Knochen zu entfernen, das Tier wird, so wie es ist, seviert und man muss sich dann abplagen damit, die Knochen abzukiefeln. Aber geschmeckt hat es ihr trotzdem.

Auf der Bushaltestelle lernten wir dann auch noch eine deutschsprechende Chinesin kennen, ein von Gott gesandter Engel fuer uns, denn ohne ihr waeren wir manchmal ziemlich verloren gewesen, denn das Reisen mit einem Schlafbus war uns bislang unbekannt und der Fahrer gab nur Anweisungen auf chinesisch. Ausserdem lernten wir von ihr, dass die meisten Chinesen verstanden, dass man mit „WC“ Klo meint, ein sehr wertvoller Tipp, der uns oftmals auf der Reise durch China das Leben beziehungsweise eine trockene Hose rettete.  Und wieder einmal um eine Bekanntschaft reicher entschlummerten wir im Bus mehr oder weniger friedlich-die Strasse war etwas holprig- und kamen am naechsten Morgen in Guilin an.


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11 11 2009
Sepp

mhh…… Ente… da muss i heid a nu fost zum chinesen fahrn…

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