Varanasi

10 11 2009

Varanasi, aelteste und heiligste Stadt Indiens und Vera krank. So musste ich mich an unserem Ankunftstag erstmals alleine auf den Weg machen, um die Stadt zu erkunden. Wobei alleine relativ ist, denn zunaechst wurde ich von unserem engagierten Hotelbesitzer ein Stueck begleitet, da er Angst hatte, ich koennte mich in den engen Gaesschen der Altstadt Varanasis verirren, was ja nicht so unwahrscheinlich ist, da hier alles sehr verwinkelt war. Doch wie sich herausstellte war seine Herumfuehrerei nicht ganz uneigennuetzig und wenig spaeter sass ich bei einem Seidenverkauefer auf den Matratzen in seinem Laden und liess mir diverse Handarbeiten vorfuehren. Ich konnte die beiden Herren allerdings bald davon ueberzeugen, dass ich als Rucksackreisende keinerlei Platz uebrig hatte fuer Seidenschals, so gern ich auch welche kaufen wuerde. So wurde ich wieder entlassen, und oh Wunder, ploetzlich war der Hotelbesitzer nicht mehr ganz so besorgt um mich und lies mich alleine ziehen. Und wiederum dauerte das Alleinesein nicht sonderlich lange an, denn als ich endlich eines der Ghats erreicht hatte, wurde ich schon wieder von einem Inder angequatscht, der mir unbedingt die ganze Verbrennungszeremonie erklaeren wollte. Er versicherte mir auch, dass er keinerlei Geldgaben erwartete und so bekam ich einen Gratisvortrag ueber die indische Art des Begraebnis. Danach wurde ich allerdings abermals in ein Seidengeschaeft geschleppt, wieer die gleiche Prozedur des Vorfuehrens und des Klarmachens, dass kein Bedarf bestehe, folgten. Der einzige Unterschied war, dass ich diesmal einen Tee bekam. Da es nun schon dunkel geworden war, beschloss ich, mich endlich auf den Nachhauseweg zu machen, wollte der kranken Vera aber noch ihren Wunsch eines Apfels erfuellen. Beim Umschauen auf der STrasse musste ich jedoch erkennen, dass es zwar Bananen zu Hauf gab, aber weit und breit keinen Apfel. Als mich ein indischer junge ansprach und wir ein bisschen SMalltalk fuehrten, dachte ich mir, vielleicht wisse er einen Platz, wo es Aepfel gibt. Wusster er aber nicht. DAfuer war ihm umso bekannter ein Platz, wo man Kricketbaelle erwerben konnte. Und er spiele doch so gerne Kricket. Und ploetzlich stand auch noch ein Freund von ihm neben uns, der auch nicht wusste, wo es Aepfel gab, aber der sich nichts sehnlichster wuenschte als einen Kricketball. Ich entschloss mich, Veras Wunsch doch unerfuellt zu lassen und eilte Richtung Hotel verfolgt von den zwei Burschen, die es aber nach einiger Zeit aufgaben, sich den Mund an mir fusselig zu reden. Am naechsten Tag lagen Vera und ich mehr oder weniger krank (Vera mehr, ich eher weniger) im Hotel herum und liesen uns kulinarisch von der ultralangsamen Hotelkueche verwoehnen mit Bananen mit Jogurt. Die Zubereitung dieses ueberaus anspruchsvollen Gerichts erforderte meist eine halbe Stunde.

Am naechsten Tag ging es Vera endlich wieder besser und wir konnten uns erstmal zu zweit auf den Weg durch Varanasis Altstadt machen. Wir gingen an den Ghats entlang und schauten den Indern zu, wie sie sich in den Ganges stuerzten, darin tauchten, badeten und Waesche wuschen. Nach einer kurzen Verschnaufpause in einem gemuetlichen Cafe besichtigten wir auch noch einen Goldenen Tempel, der aber lange nicht an den in Amritsar herankam, allerdings sahen wir ihn auch nicht richtig, da nur Hindus ihn betreten durften. Da es sehr heiss war und das Wandern durch die verwinkelten Gaesschen auch nicht ganz unanstrengend legten wir noch eine Verschnaufpause ein in einer German Bakery. Eigentlich wollten wir nur ein 7up konsumieren, doch da wir dort eine Deutsche trafen, die Besitzer uns das allabendliche Konzert innerhalb der Restaurantraeume anpriesen und Vera Fisch auf der Speisekarte entdeckte, verbrachten wir den ganzen Nachmittag und Abend dort. Den Fisch gab es dann doch nicht, dafuer aber das Konzert, wobei Konzert vielleicht die falsche Bezeichnung dafuer ist. Es spielten zwei Maenner auf ihren Instrumenten, allerdings in der Lautstaerke einer zu leise geratenen Hintergrundmusik. Wir genossen es trotzdem sehr zu den leisen Klaengen ein Verdauungsschlaefchen zu halten und als die letzten Toene verklungen waren, machten wir uns wieder auf ins Hotel.

Der naechste Tag begann wieder einmal Frueh, denn wir wollten die Ghats auch bei Sonnenaufgang bewundern. So mieteten wir uns ein Boot und liesen uns den Ganges hinunterpaddeln. So konnten wir die Badezeremonien der Inder nun von einer anderen Perspektive in Augenschein nehmen. Dabei kam uns auch noch etwas ganz anderes unter die Augen. Als wir naemlich so dahintrieben auf dem Wasser, kam dem Boot ploetzlich eine Wasserleiche in die Quere, die tapfer gegen die Stroemungen ankaempfte. Die Inder stoerten sich aber nicht daran und plantschten froehlich im Wasser weiter. Tja, unsere ehemalige Englischprofessorin Schoeberl haette eine wahre Freude an diesem Bild gehabt🙂 .

Wir nahmen noch ein Fruehstueck zu uns in einem nett gelegenem Cafe, das wir nach langer, langer Suche gefunden hatten, surften noch im Internet und gingen wieder zurueck ins Hotel um puenktlich um zwoelf auszuchecken. Die Zeit bis zu unserer Abreise verbrachten wir vorwiegend damit, uns mit der Hotelbesitzerin zusammen indische Telenovelen anzschauen, die die deutschen um Meilen an Dramatik uebertreffen. Um fuenf Uhr am Nachmittag ging dann auch schon wieder unser naechster Zug nach Agra.


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