Erste Schritte im Chinesenland

8 12 2009

Um fuenf Uhr in der Frueh kamen wir in Guilin an, das wir uns wesentlich kleiner vorgestellt hatten. Wir waren einfach noch an die indischen, touristischen Doerflein gewohnt und mussten uns erst auf die Grossstaedte Chinas einstellen. Irgendwo wollen ja die Millionen von Menschen untergebracht werden. Linxuan Tang, so hiess die Chinesin, half uns mit der Zimmersuche und beschaffte uns ein Hotel in der Naehe des Bahnhofs, in dem wir sogar freien Internetzugang in unserem Zimmer genossen. Wir nuetzten es gleich aus, dass wir auch hier wieder weiche und saubere Betten zur Verfuegung hatten (was uebrigens in fast ganz China der Fall war, unser Seidenschlafsackinlett durfte bis auf zweimal immer im Rucksack verweilen) und schliefen uns mal drei Stunden aus, die holprige Busfahrt hatte halt doch nicht soo den grossen Erholungsfaktor. Danach erkundeten wir den Elefantenpark, eine groessere Parkanlage, in deren Mitte ein Berg steht, der aussieht wie ein Elefant, der seinen Ruessel ins Wasser streckt. Hier wurden wir erstmals „Opfer“ unseres Reisefuehrers, der aus dem Jahre 2004 stammt und in dem noch kein Wort verloren wird ueber einen Eintrittspreis, der beim Park zu zahlen sei. Darueber hinaus trafen wir in diesem Park auch erstmals eine Menge chinesischer Touristen, die sich wild um den besten Platz stritten, um mit dem  Elefanten als Hintergrund fotografiert zu werden. Nach unserem ersten Sightseeing in China fuhren wir wieder ins Hotel zurueck, allerdings nicht ohne einen kleinen Umweg zu machen-wir stiegen in den Bus in die falsche Richtung ein. Es ist eben nicht so leicht, in China nach dem Weg zu fragen. Wenig spaeter wurden wir auch schon wieder von Linxuan Tang abgeholt und sie fuehrte uns zum Universitaetsgelaende Guilins, auf das wir, dank ihrer Ausdauer bei der Suche nach einem Eingang, bei dem man nichts zahlen muss, gratis kamen. So konnten wir die wunderschoene Anlage bewundern, ausgestattet mit einem Fluss, der sich mittens hindurchschlaengelt, und mehreren besonderen Baeumen, zum Beispiel einem Baum, aus dem ein anderer Baum herauswaechst. Da es schon sechs wurde und Chinesen ja sowieso die ganze Zeit den Drang haben, zu essen, war ihr naechster Vorschlag, essen zu gehen, den wir auspesprochen gutheissten. Dank ihr kamen wir in den Genuss eines sensationellen Fisch und einer ueberaus leckeren Melanzani, von der Vera ganz begeistert war, denn wir waren an die Melanzanis von unseren Grillabschlussfeiern gewohnt und wer da dabei war, wird sich wohl erinnern, dass die nicht wirklich das Gelbe vom Ei waren. Wir waren wirklich sehr dankbar, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, denn mit ihr viel auch das Bestellen sehr viel einfacher. Und so viel es uns sehr schwer, sich von ihr zu verabschieden, nachdem sie uns noch ein bisschen durchs naechtliche Guilin gefuehrt, uns noch zwei Pagoden in einem See mitten in Guilin-eine gold und eine silber- gezeigt und uns zurueck ins Hotel gebracht hatte. Aber vielleicht sehen wir sie ja bald wieder, sie zieht naemlich nach Weihnachten nach Deutschland. Sie hat sogar gesagt, dass sie nach Linz zieht, wir sind uns aber nicht ganz sicher, ob sie auch wirklich unser Linz meint. Auf jeden Fall freut sie sich schon sehr auf Schweinsbraten und ihren Freund, der bereits in Deutschland wohnt.

Neuer Tag, neue Stadt, nach diesem Motto bewegten wir uns die meiste Zeit fort in China. An diesem Tag hiess die neue Stadt Ziyuan und war Guilin nicht wirklich aehnlich. Waehrend Guilin mit all den Leuchtreklamen, seinem sauberen und gepflegten Aussehen und den gestylten Bewohnern glaenzte, wirkte Ziyuan ziemlich verlebt. Man merkte auch sofort an der Art, wie man gemustert wurde, dass die Leute nicht wirklich gewohnt waren an Touristen geschweige denn ein Wort Englisch sprachen. Das einchecken im Hotel verlief wie in einem Stummfilm. Wir holten unsere Sprachhilfen heraus, deuteten auf das chinesische Zeichen fuer Zimmer, sie auf den Preis und so weiter. Natuerlich brauchte alles seine Zeit, aber schlussendlich konnten wir ein grosses, billiges Zimmer beziehen, wiederum mit Zahnbuersten und Handtuechern, die uns zu Verfuegung gestellt wurden (mit den vielen Zahnbuersten, Seifen und Shampoos, die wir in China gesammelt haben, koennten wir bereits eine eigene Abteilung bei DM fuellen). Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Erfuellung zweier Missionen. Unsere erste Mission war es, etwas zu finden, was man auf Brot schmieren kann. Schwierig, schwierig, vor allem da es China nicht mal richtiges Brot gibt. Nur etwas toastaehnliches, das aber sehr sehr weich ist und vor allem auch sehr, sehr suess. Unser erster Gedanke war Kaese. Wurde verneint. Dann schraubten wir unsere Erwartungen auf Butter hinunter. Welches Land hat bitte keine Butter. Tja, China zum Beispiel. Als naechstes dachten wir an Marmelade. Gab es in keinem von den drei kleinen Geschaeften, in denen wir nachfragten. Erst in einem groesseren Supermarkt fanden wir ganz versteckt ein paar kleine Glaesser Marmelade. Aber da war es schon zu spaet, denn wir hatten bereits dieses Teufelszeug namens Honig gekauft. Leider.  So schleppten wir von nun an ein riesiges Glas voll mit klebrigen Zeug, das keinewegs von einem Deckel aufgehalten wurde auszulaufen und deswegen von mindestens zwei Plastiksackerl geschuetzt war, mit uns mit. Grauenvoll!!

Zweite Mission war es, eine Tour zu organiesieren. Wir wollten am naechsten Tag eine Flussfahrt unternehmen. Doch wie macht man ein paar Chinesen, die kein Wort Englisch verstehen, klar, was man will (wir waren schon froh, dass wir zumindest das Hotel gefunden hatten, wo sie solche Touren anbieten, auch das war schon harte Arbeit). Nach einer viertel Stunden waren wir zumindest schon so weit, dass sie wussten, was wir unternehmen wollten. Allerdings fing da das Problem erst richtig an, denn als naechstes wollten die W-Fragen erforscht werden. Wann startet das ganze, wo muessen wir uns dann einfinden, wieviel kostet der Spass. Sie waren wirklich sehr bemueht, uns alles so gut wie moeglich mitzuteilen, doch sie verstanden nicht wirklich, dass wir kein Wort Chinesisch verstanden, zumindest dass wir es nicht lesen konnten. Denn immer wenn wir etwas nicht verstanden, holten sie sofort ein Stueck Papier heraus und malten es liebevoll mit chinesischen Zeichen voll, was uns kein Stueck weiterbrachte. Um die Uhrzeit herauszufinden, malten wir ihnen eine Uhr auf, auf der sie einfach den Zeitpunkt einzeichnen sollten, wann wir hier sein sollten. Die erste machte ein Kreuz bei sieben, der zweite nickte wissend und machte sein Kreuz bei neun Uhr und der dritte im Bunde machte einfach einen Pfeil, der von sieben bis neun ging. So dachten wir, vielleicht dauert das ganze zwei Stunden, startet um sieben und dauert bis neun. Doch als wir nochmal nachfragten, wann das ganze endet, wurde ein Kreuz bei zwoelf gemacht. Wir waren verwirrt. Und so ging es die ganze Zeit weiter, bis wohl der einzige Mensch , der in Ziyuan und im Umkreis von Ziyuan Englisch spricht, angerufen wurde und er uns helfend zur Seite stand. Mit ihm als Vermittler fanden wir heraus, dass eine Flussfahrt gar nicht moeglich war, da der Wasserstand zu niedrig sei. Also wurde umgplant auf eine Tour zu einem schoenen Berg, Start um sieben Uhr, Ende zwoelf Uhr. Und auch alle sonstigen Details wurden schliesslich in einem Rekordtempo geklaert, so dass wir nach mehr als drei Stunden endlich das Hotel verlassen konnten, um zu unserem eigenen Hotel zurueckzukehren und uns fuer den naechsten Tag auszuschlafen.

Das mit der Tour klappte alles wunderbar, nur das Wetter machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung. Es war bedeckt und etwas regnerisch, aber stiegen trotzdem den Berg hinauf und wanderten zwei Stunden in dieser Anlage herum, mutterseelenallein. Danach wurden wir von unserem ausschliesslich Chinesisch sprechenden Fahrer wieder in Ziyuan abgesetzt und so war unser Ausflug schon zu Mittag vorbei und wir verbrachten den Rest des Nachmittags mit dem Fernseher. Es gab einen englschissprachigen Sender, zwar nicht wirklich das Gelbe vom Ei, denn ausser Nachrichten alle 15 Minuten brachte es nur ganz kurze, meist uninteressante Dokumentationen, doch zumidest erweiterten wir bei einer Sprachtrainingssendung unseren chinesischen Wortschatz von „Oesterreicht“, „Hallo“ und „Danke“ um das Wort „nur“.

Am naechsten Tag ging es weiter nach Longsheng  und von dort dann direkt weiter nach Longji zu den Reisterassen. Im Bus lernten wir einen Hngkonger kennen, der uns das am hoechsten gelegene Hotel empfahl, um den Sonnenaufgang am naechsten Tag zu geniessen. Unser Gepaeck wurde von den lokalen Langhaarfrauen den Berg hinaufgehievt, die unsere ganze Bewunderung dafuer hatten. Den Rest des Abends verbrachten wir dann damit, ewig lange auf unser Essen zu warten, das vorzueglich dafuer schmeckte und natuerlich schauten wir uns auch den Sonnenuntergang an. Nach dem wunderschoenen Sonnenaufgang am naechsten Morgen und unserem ersten richtigen chinesischem Fruehstueck, bestehend aus Ei, Suesskartoffel, Reissuppe und noch ein paar anderen Leckereien, starteten wir den Walk zurueck ins Tal. Diesmal trugen wir unsere Rucksaecke selbst und waren erstaunt darueber, wie leicht uns das von der „Hand“ ging. Auf dem Weg nach unten machten wir eine Pause in einem kleinen Cafe mit englischer Speisekarte. Allerdings dauerte es eine Weil, bis man uns bemerkte, das Besitzerehepaar war zu sehr damit beschaeftigt sich gegenseitig anzuschreien beziehungseise sich die Hoelle heiss zu machen. Doch man liess sich dann doch dazu herab, die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken und brachte die Karte. Wir bestellten eine „Cold Chocolate“ und einen Apple Pie mit Vanilleeis. Wir bekamen eine Hot Chocolate und ein frittiertes Irgendwas mit Aepfeln darin. Vanilleeis blieb der ganzen Veranstatlung fern. Dafuer kamen wir noch in den Genuss der Kaemmsession der Frau des Hauses, die ebenfalls eine Langhaarfrau war. Auf die Frage, wie lange sie sich die Haare schon wachsen liess, antwortete sie „neun“. Allerdings sind wir uns unsicher, ob sie meinte, seit sie neun Jahre alt war oder seit neun Jahren. Genauso sind wir uns unsicher, was die Bluterguesse auf ihrem Hals betrifft, ob es sich dabei um Knutschflecken, Wuergemale oder etwas komplett anderes handelte. Sicher ist, dass sie eine sehr leidenschaftliche Beziehung fuehren, ob nun im positiven oder im negeativen Sinne. Wir waren auf jeden Fall sehr stolz auf uns, dass wir den Abstieg so schnell und fast muehelos geschafft haben und wir uns mittags zu unserer naechsten Destination aufmachen konnten.


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