Drug-David and „The Boss“

24 12 2009

Als wir in Yangshuo schon etwas erschoepft aus den Bus krochen, wurden wir sofort von einer Schlepperin in Empfang genommen. Sie bot uns ein Zimmer um acht Euro an, was uns eigentlich zu teuer war. Trotzdem trabten wir brav hinter ihr her, waehrend sie uns erklaerte, dass wir uns keine Sorgen wegen des Preises machen zu brauchten, denn „I am the Boss!“ So liessen wir uns von „The Boss“ das Zimmer zeigen und auch noch zwei Betten im Schlafsaal im Hotel ihres Bruders, lehnten vorerst einmal ab und machten uns auf die Suche nach Billigerem. Wir fanden natuerlich nichts und mussten reumuetig zu ihr zurueckkehren, um ihr Angebot doch anzunehmen. So war unsere Sammlung an Billig-Hotel-Zahnbuersten wieder um zwei Exemplare reicher. Allerdings sind wir uns ueber die sonstige Nutzung des Zimmers etwas ungewiss. Neben gedaemmten Licht hatte man auf dem Nachtkaestchen nicht nur Kondome griffbereit zu Verfuegung gestellt, sondern auch fuer jeweils ein GEschlecht spezialisiertes Verwoehnungsoel. Und in einem kleinen Koerbchen war auch noch Unterwaesche bereit gestellt, die man gegen ein paar Yuan erwerben konnte.

Der Vormittag des naechsten Tages war gepraegt von zwei Erkenntnissen.

Erkenntnis Nr. 1: Die Chinesen waren anscheinend nicht wirklich einverstanden mit unserer Blogfuehrung, denn sie hatten ihn gesperrt. Zumindest konnte ich mich nicht einloggen, ohne unseren Geheimtipp zu verwenden. So schrieb ich und schrieb ich, wollte speichern, musste aber erkennen, dass das Internet nicht ganz meiner Meinung war, denn ploetzlich war alles weg. Und ich konnte mir auch nicht wirklich helfen, denn (Erkenntnis Nr. 2:) ein chinesisches Betriebssystem und eine computertechnische Null zu sein, ist keine besonders gute Mischung. Nicht recht viel besser erging es Vera in der Zwischenzeit, die einmal falsch klinckte und danach auf  dem Bildschirm vergebens nach den bearbeiteten Fotos suchte. Dementsprechend frustriert packten wir unsere sieben Zwetschgen zusammen, um in ein Zimmer in dem Hotel des Bosses Bruder zu ziehen, drei Euro billiger(das mag jetzt natuerlich kleinlich klingen, doch in China kann  man sich um dieses Geld fast drei Tage ernaehren, wenn man nicht allzu grossen Hunger hat). In der Lobby stackste uns auch schon wenig spaeter David entgegen, der scheinbare, aber dann doch nicht Bruder des Boss (die Familienverhaeltnisse in Yangshuo haben wir nicht wirklich durchschaut). Nur seine umgehaengte Tasche schien ihn davon abzuhalten, wie ein Gummiball wild in der Gegend herumzuhuepfen. Seine Hyperaktivitaet und Ueberdrehtheit liess nur einen Schluss zu: Dieser Mann nahm Drogen (auch wenn ich es nie beweisen werden kann- sein Benehmen war mir persoenlich Beweis genug). Neben dem Zimmer bot er uns auch nocht eine Tour an inklusive Fruehstueck und sofortigem Start, die zwar unser Budget komplett sprengte, dafuer unser Tagesprogramm komplett auffuellte und uns eine Menge an Organisation und komplizierter Herumfahrerei ersparte. Nach einem chinesischem Fruehstueck (Nudelsuppe mit Erdnuessen, pickled Gemuese und Fisolen) ging es mit dem Rad rauss aus der Stadt ab aufs Land. Vera und ich waren uns einig, dass Radfahren in China soviel leichter ginge als in Oesterreich. Unsere Meinung aenderte sich aber sofort, als wir die asphaltierte Strasse verliessen und gegen einen unebenen Waldweg eintauschten, auf dem wir ordentlich durchgeruettelt wurden. Trotzdem genossen wir die sportliche Betaetigung sehr und nahmen uns natuerlich vor, auch daheim wieder oefter in die Pedale zu treten.

Unser erster Stopp war am Li-River, den wir auf einem Bamboo-Boat erkundeten. Bamboo-Rafting hiess der Spass, denn es ging immer ueber Mini-Wasserfaelle hinab, wobei das Bamboo-Boat mit seinem Vorderteil mit einem grossen Platsch zurueck ins Wasser fiel und uns vollspritzte. Auf dem Fluss kamen wir immer wieder bei Inseln aus Bamboo vorbei, auf denen Getraenke und Essen verkauft wurden. Uns wurde jedes Mal Bier angeboten. Lehnten wir ab, appelierten sie an unser Mitleid dem Fahrer gegenueber. Wir sollten doch dem armen Ruderer unseres Bootes was zum Trinken spendieren. Doch Alkohol dem Ruderer unseres eigenen Bootes zu spendieren, kam uns dann ein bisschen verantwortungslos vor. Wir boten ihm aber an, aus unserer Wasserflasche zu trinken, ganz eingerostet ist unsere soziale Ader ja doch nicht. Da er aber ablehnte, schlossen wir daraus, dass er nicht durstig war. Er war im Uebrigen ein sehr lustiger Zeitgenosse und obwohl wir uns nicht mit ihm unterhalten konnten, weil er natuerlich kein englisches Wort sprach, hatten wir viel Spass. Er und Vera lieferten sich ein Battle im Tiere imitieren. Bei der Imitation einer Ente hatte er eindeutig die Nase vorn, aber Veras Kuh klang eindeutig mehr nach Kuh als seine.

Nach dem Bamboo Rafting fuhren wir weiter mit dem Rad zu einer Wasserhoehle. Die Fuehrung bestand im Wesentlichen darin, dass der freundliche Cinese mit seiner Lampe auf versschiedenste Steinformationen leuchtete und uns erklaerte, welchem irdischen Ding sie gleichschauten. Wir kamen unter anderem bei einer Katze, einer Schildkroete, einer Frau, die sich die Haare waescht und einem alten Mann, der angelt, vorbei. Nach der Fuehrung durften wir noch im Schlamm baden und uns in heissen Quellen wieder saeubern.

Am naechsten Tag brachten wir den zweiten Teil der Tour noch ueber uns. Es war noch eine Flussfahrt, die aber nicht an das Bamboo-Rafting herankam. Deswegen waren wir dann froh, wie sie vorbei war, vor allem deswegen, weil wir einen Zug nach Guiyang zu erwischen hatten.


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